Jürgen Stark
Der Verteidiger des Euros

Der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat mit seiner Rücktrittsankündigung für ein Beben an den Finanzmärkten gesorgt. In Wien warnte er nun vor einem zu großen Schuldennachlass für Griechenland.
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WienDie Bankwissenschaftliche Gesellschaft in Wien ist ein ganz besonderer Zirkel. Die führenden Banken Österreichs sind darin zusammengeschlossen, natürlich vertreten ausschließlich die Vorstandschefs die einzelnen Häuser. Und der Präsident kann natürlich nur der Chef der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) sein.

ÖNB-Gouverneur Ewald Nowotny führt am Donnerstagabend durch das Programm. Es ist die Jahreshauptversammlung der Bankwissenschaftliche Gesellschaft. Österreichs beste Banker haben sich im Hotel Imperial versammelt, der ersten Adresse am Platz. Da, wo vor mehr als 100 Jahren auch schon Otto von Bismarck bei seinen Wien-Aufenthalten übernachtet hat. An diesem Abend hat sich ein ganz anderer Gast bei diesem Bankertreffen angemeldet: Jürgen Stark, der EZB-Chefvolkswirt, der in der vergangenen Woche mit seiner Rücktrittsankündigung für ein weiteres Beben an den Finanzmärkten gesorgt und etliche Investoren deutlich ärmer gemacht hat.

Der Auftritt in Wien und die Rede vor der Bankwissenschaftlichen Gesellschaft waren schon lange vor der Rücktrittsankündigung geplant. Ewald Nowotny und Jürgen Stark kennen sich natürlich gut. Der Wiener, von Hause aus Wirtschaftsprofessor, vertritt als ÖNB-Chef Österreich im EZB-Rat. Trotzdem ist es ein besonderer Abend. „Wir mussten noch nie einen Vortrag auf eine Leinwand in einem anderen Raum übertragen“, freut sich Ewald Nowotny. Viel mehr Gäste als sonst üblich sind gekommen, der Rücktritt von Jürgen Stark lockt viele an.

Der Stargast des Abends tritt an. Gleich zu seinem Beginn erzählt Stark von einem Telefonat mit Ewald Nowotny aus der vergangenen Woche, gleich nach seinem Rücktritt. Ob er denn noch nach Wien kommen werde, wollte der Österreicher wissen. Stark wollte. „Ich bin nie auf die Idee gekommen, nicht hierher zu kommen“, erzählt er dem erfreuten Publikum. Er ist ja auch noch im Amt. Erst zum Jahresende, wenn sein Nachfolger feststeht, will er den EZB-Posten aufgeben.

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Stark ist kein Freund von Eurobonds

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