Jugendarbeitslosigkeit
„Verlorene Generation“ sucht ihr Glück in Deutschland

Die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa ist dramatisch hoch. Vielen jungen Jobsuchern fehlen die nötigen Qualifikationen, die Euro-Krise nimmt ihnen auch die einfachen Jobs. Wer kann, flieht in den Norden.
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Berlin/DüsseldorfGelinge in Europa der Schuldenabbau, dann gebe es keinen Grund für Bedrohungsszenarien, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Wochenende auf dem Katholikentag in Mannheim. "Ich möchte dringend davor warnen, den jungen Leuten einzureden, sie gingen mit schlechteren Ausgangsbedingungen in ihr Leben als frühere Generationen." Was für deutsche Jugendliche zutrifft, klingt für ihre Altersgenossen in Südeuropa derzeit wie Hohn. Dort hat die Jugendarbeitslosigkeit so dramatische Werte erreicht, dass eine "verlorene Generation" heranwachse, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer neuen Studie schreibt, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

So hat in Griechenland und Spanien mehr als jeder zweite unter 25-Jährige keine Arbeit. In der EU und den anderen Industriestaaten hat sich die Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen laut ILO von 2008 bis heute um 26,3 Prozent erhöht. Mindestens bis 2016 werde die Jugendarbeitslosigkeit auf "dramatisch hohen Niveaus" verharren, weil vielen Jugendlichen schlicht die nötigen Qualifikationen fehlten.

Infografik

Jugendarbeitslosigkeit in ausgewählten Weltregionen

Veränderung der absoluten Zahl 2008 bis 2011 in Prozent

Ganz anders in Deutschland: Mit 7,9 Prozent liegt die Jugendarbeitslosigkeit hier deutlich unter dem Euro-Zonen-Schnitt von 22,1 Prozent. Während Südeuropa in der Rezession steckt, prognostizieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschland für 2012 ein Wachstum von 0,9 Prozent und 2013 von zwei Prozent. Knapp eine Million Stellen sind hierzulande unbesetzt.

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  • Alter ist keine Ausrede, um mit der Änderung seiner eigenen Zukunft zu beginnen.Besser Spät als nie. Ich muss aber als ausländische Fachkraft aus der IT feststellen, dass es für mich keine Jobaussichten in Deutschland gibt, weshalb ich wieder in mein Heimatland zurück kehre. Da zahlen die Arbeitgeber wenigstens noch 14 Monatsgehälter. Die ganze Fachkräftemangel in Deutschland ist meiner Meinung nach totaler Humbug. Schuld daran sind unfähige "Personaler" und arrogante Arbeitgeber, wie dieser "Elite Unternehmer" schon so frei bewiesen hat.Der ist kein Einzelfall. Wer glaubt, seinem Unternehmen durch solche Sparmaßnahmen ins finanzielle Paradies zu führen, der sollte rasch wieder zurück auf die Uni und seinen Dr. Titel freiwillig abgeben und wiederholen! Meine Meinung.

  • Wir haben in unserer Firma jetzt auch zwei Ing. durch Facharbeiter aus dem Süden ausgetauscht. Haben einfach unregelmäßiger und verspätet den Lohn gezahlt um die los zu werden. Die haben jeden Monat um ihren Lohn gebettelt.

    Dann haben wir noch ein neues Gehalt ausgemacht, über ein drittel weniger. Auch das haben die noch ein Zeit lang über sich ergehen lassen, trotz Ausfälle bei der Zahlung und noch mehr unbezahlte Überstunden.

    Wir mussten schließlich noch den Ton schroffer werden lassen und die Äußerungen wurden auch deutlich demütigender. Das haben die dann nicht mehr lange ausgehalten und sind gegangen. Der Arbeitsplatz war gut vorbereitet und eingerichtet, konnte fast fließend übernommen werden. Diese neuen Facharbeiter werden viel mehr leisten, und das natürlich noch viel billiger.

    Ich habe aber auch schon wieder neue Stellenangebote geschaltet, falls die nicht so wollen.

  • Juristisch gesehen könnte man das "Wir" als Sippenhaft werten. Ich für meinen Teil fühle mich nicht betroffen.

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