Juli-Zahlen
Noch halten Unternehmen ihre Beschäftigten

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt geht davon aus, dass nur bei einem „baldigen deutlichen Anziehen der Konjunktur“ die Auswirkungen der Produktionsausfälle auf den Arbeitsmarkt „weiterhin in Grenzen“ gehalten werden. Volkswirte warnen bereits vor dem Herbst.



HB NÜRNBERG. Noch schlägt die Rezession nicht voll auf den Arbeitsmarkt in Deutschland durch: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli überraschend nur um 52 000 auf 3,462 Millionen gestiegen. Experten hatten mit doppelt so vielen neuen Jobsuchenden gerechnet. Sie warnen aber, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Laut Arbeitgeberpräsident Hundt zeigt der moderate Anstieg der Arbeitslosigkeit angesichts von zum Teil dramatischen Rückgängen bei Umsatz und Auftragseingang, dass die Unternehmen weiterhin alles dafür täten, ihre Beschäftigten zu halten.

Experten hatten einen Anstieg der Arbeitslosen um etwa 100 000 auf 3,5 Millionen erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr sind aber 252.000 Menschen mehr ohne Job. Die Arbeitslosenquote hat um 0,1 Punkte auf 8,2 Prozent zugelegt. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,7 Prozent gelegen.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte am Donnerstag in Nürnberg, die Rezession der deutschen Wirtschaft hinterlasse auch im Juli Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Insgesamt seien die bisherigen Auswirkungen des Abschwungs aber vergleichsweise moderat. Vor allem die starke Nutzung der Kurzarbeit habe den Arbeitsmarkt stabilisiert, betonte Weise.

Die Zukunftsaussichten sind allerdings düster . „Für den Arbeitsmarkt gilt ganz klar, dass die Belastung steigen wird“, sagte Weise. Die Bundesagentur geht davon aus, dass die Zahl der Menschen ohne Job im Jahresdurchschnitt bei 3,7 Millionen liegen und im kommenden Jahr auf 4,5 Millionen steigen dürfte. „Wir haben die Gewissheit, dass die Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit dämpft. Darüber hinaus gibt es aber die Erwartung, dass sich die schlechte Entwicklung vor allem im Export im nächsten Jahr negativ auswirken wird“, erklärte Weise.

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist zuletzt im Juni entgegen dem Trend der Vorjahre um 36 000 auf 40,20 Millionen zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich damit die Erwerbstätigkeit um 92 000 verringert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag dagegen nach Hochrechnungen der BA im Mai mit 27,44 Millionen noch um 17 000 über dem Vorjahreswert.

Im Westen waren im Juli 2,368 Millionen Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das sind 50 000 mehr als im Juni und 248 000 mehr als vor einem Jahr. Im Osten wurden 1,094 Millionen Arbeitslose gezählt. Das sind 3000 mehr als im Juni und 4500 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 7,0 Prozent, im Osten bei 12,9 Prozent.

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Juli sogar um 6 000 auf 3,480 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl zwar um 2 000 zu, im Osten nahm sie dagegen um 8 000 ab.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die aktuellen Arbeitsmarktdaten als „eine kleine Sensation“. Sie seien „eine Bestätigung der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung“, sagte Scholz am Donnerstag am Rande einer SPD-Klausur in Potsdam. „Es ist gut, dass Deutschland ein Sozialstaat ist.“ Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht in der Kurzarbeit ein wirksames Arbeitsmarktinstrument in der aktuellen Wirtschaftskrise. „Auf dem Arbeitsmarkt wird es natürlich weiter auch Bewegung im negativen Sinn geben“, sagte er in Braunschweig. Aber die Lage stelle sich nicht ganz so schlimm dar, wie es teils prognostiziert worden sei. Es gebe Punkte, wo man nicht nur pessimistisch sein müsse. Auch im Herbst und im kommenden Jahr rechnet der Minister mit Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Arbeitslosigkeit.

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