Juli-Zahlen
US-Arbeitslosenquote sinkt überraschend

In den USA scheint ein Ende der Job-Krise in Sicht: Die US-Arbeitslosenquote ist überraschend gesunken. Amerikas Präsident Barack Obama spricht schon vom Anfang vom Ende der Rezession. Auch Analysten zeigten sich positiv erstaunt.
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WASHINGTON/TYSONS CORNER. Der Jobabbau in den USA hat sich im Juli überraschend stark verlangsamt: Die Arbeitslosenquote sei von 9,5 Prozent im Vormonat auf 9,4 Prozent zurückgegangen, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Ökonomen hatten eine Quote von 9,6 Prozent erwartet. Im Vormonat hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise die Arbeitslosenquote noch auf den höchsten Stand seit August 1983 getrieben. Insgesamt fielen im Juli 247 000 Jobs weg. Das ist der niedrigste Stellenabbau seit August 2008. Experten hatten mit einem Verlust von rund 320 000 Arbeitsplätzen gerechnet.

Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsabbau für die Vormonate Mai und Juni um 43 000 Stellen geringer als bislang ausgewiesen. Damit betrug der Beschäftigungsrückgang in den beiden Monaten aber immer noch 746 000 Stellen. Der überraschend geringe US-Stellenabbau gab dem Dax am Freitag Auftrieb. Der Leitindex drehte ins Plus.

Vorige Woche war schon die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deutlich zurückgegangen. Damit verfestigen sich die Anzeichen dafür, dass sich die USA aus der Rezession befreien. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist entscheidend für die Konsumausgaben, die wiederum rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA ausmachen. Seit Ausbruch der Rezession in den USA Ende 2007 sind der Krise bereits 6,7 Millionen Arbeitsplätze zum Opfer gefallen. Beobachter sprechen vom größten Arbeitsplatzverlust seit dem Zweiten Weltkrieg.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich erneut zuversichtlich über die konjunkturelle Entwicklung in den USA und stellte ein Ende der Talfahrt in Aussicht. Das Finanzsystem stehe nicht mehr am Abgrund, sagte Obama am Donnerstag in Tysons Corner im US-Bundesstaat Virginia. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren zögen die Häuserpreise wieder an und die Arbeitslosigkeit steige nur noch halb so schnell wie Anfang 2009. „Wir sehen möglicherweise den Anfang vom Ende dieser Rezession“, sagte Obama. Experten hatten allerdings damit gerechnet, dass weitere Hunderttausende Stellen verloren gegangen sind.

Der US-Präsident verteidigte seine Wirtschaftspolitik. Die im ersten Halbjahr beschlossenen Konjunkturprogramme hätten dazu beigetragen, den freien Fall der Wirtschaft zu stoppen. Für eine Erholung müsse aber noch mehr getan werden. Obama trat zugleich der Kritik von Republikanern entgegen, mit seinen Konjunkturhilfen die Rezession verschlimmert zu haben. „Ich will nicht, dass die Leute, die diesen Schlamassel angerichtet haben, jetzt viel reden“, sagte Obama in Anspielung auf die Wirtschaftspolitik seines republikanischen Vorgängers George W. Bush. „Ich will, dass diese Leute beiseitetreten, damit wir diesen Schlamassel bereinigen können.“

Analysten werten die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten positiv, aber nicht überschwänglich: Die Dynamik des Abschwungs am US-Arbeitsmarkt lässt laut Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nach. Dies unterstreiche der abgeschwächte Stellenabbau im Juli, heißt es in einer Kurzstudie vom Freitag. Von einer nachhaltigen Wende zum Besseren könne aber noch nicht gesprochen werden. Der geringere Beschäftigungsabbau und die leicht nachlassende Arbeitslosenquote seien aber positiv zu werten. „Wir gehen davon aus, dass die Schwäche am Arbeitsmarkt zum Ende dieses Jahres ausläuft“, hieß es in dem Bericht.

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