Juni-Geschäftsklima
Ifo-Index-Plus macht Bank-Profis sprachlos

Der abermalige Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindexes hat die Zunft der Analysten und Volkswirte in den Banken auf dem falschen Fuß erwischt. Nun versuchen die Konjunkturprofis zu erklären, warum sie einen Rückgang des Ifo voraussagten und das Gegenteil eintrat.

HB MÜNCHEN/FRANKFURT. „Ich bin sprachlos, wir hätten keinesfalls mit einem weiteren Anstieg gerechnet“, sagte Analyst Sebastian Wanke von der Dekabank. „Wir glauben, dass der Verlauf der WM einen positiven Einfluss auf die Stimmung der Unternehmen gehabt hat. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen sind anscheinend schon im Finale.“ Der Anstieg sei ein Grund zur Euphorie, kommentierte Gerd Hassel von der BHF-Bank. Im zweiten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig wachsen.

Auch HVB-Volkswirt Andreas Rees zeigte sich etwas irritiert von der unerwarteten Aufhellung des Geschäftsklimas. „Die jüngsten Umfragen zur Wirtschaftsstimmung in Europa zeigen ein unklares Bild“, sagte Rees angesichts recht gegensätzlicher Umfrageergebnisse. Während der Ifo-Index wieder nach oben weise, deute der Index der ZEW-Erwartungen schon seit Jahresbeginn nach unten. In Italien habe sich die Unternehmensstimmung zuletzt verbessert, in Frankreich sei hingegen eine Verschlechterung registriert worden. Dennoch sind diese Tendenzen Rees zufolge nicht untypisch und Beleg dafür, dass die Konjunktur an einem Wendepunkt steht.

Die Volkswirte sind sich jedoch einig, dass die Dynamik der Wirtschaft wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung im weiteren Verlauf des Jahres zurückgehen wird. Im kommenden Monat werde der Blick - nach der WM - stärker auf den Jahreswechsel gerichtet sein, wo wegen der Steuererhöhung ein deutlich schwächere privater Konsum zu erwarten sei, sagte Wanke: „Der eigentliche Lackmus-Test für den Ifo-Index steht im Juli an.“ „Vor allem bei den Geschäftserwartungen dürfte es in den kommenden Monaten im Trend wieder zu Rückgängen kommen“, meinte Marco Bargel von Postbank Research.

Derzeit schiebe vor allem die Industrie, die von der boomenden Weltwirtschaft profitiert, die Konjunktur an, sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Allerdings waren die Exporterwartungen der Unternehmen im Juni etwas weniger optimistisch als im Mai. Die Laune bei den Einzelhändlern und im Baugewerbe verbesserte sich.

Wie das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag mitteilte, stieg der von ihm ermittelte Geschäftsklimaindex im Juni auf 106,8 Punkte von revidierten 105,7 im Mai. Dabei legten sowohl der Teilindex für die Erwartungen (auf 104,2 von 104,0) als auch der Teilindex für die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage (auf 109,4 von 107,3) zu. Viele Experten hatten nach dem leichten Dämpfer im Vormonat wegen der Kursverluste an den Aktienmärkten und wegen der näher rückenden Mehrwertsteuererhöhung mit einer weiteren Abkühlung gerechnet. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten im Vorfeld einen Rückgang des gesamten Index' auf 105,1 Punkte vorhergesagt.

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