Juni
Produktion wächst unerwartet kräftig

Im Juni ist die deutsche Produktion überraschend kräftig gewachsen. Das Wirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, Industrie, Bau und Energiewirtschaft hätten insgesamt 1,4 Prozent mehr als im Mai produziert.

HB BERLIN. Nachdem die Unternehmen des produzierenden Gewerbes ihre Produktion im Mai um 0,4 Prozent gedrosselt hatten, steigerte nun die Industrie ihre Herstellung im Juni um 1,3 Prozent, der Bau legte um 4,7 Prozent zu, die Energiewirtschaft produzierte dagegen 0,6 Prozent weniger. „Die aktuellen Ergebnisse zur Entwicklung der Produktion sprechen für eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung im Bereich der Industrie“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Volkswirte sprachen von einem weiteren Zeichen für die Rückkehr der Wirtschaft auf Wachstumskurs. „Die deutsche Industrie hat die Frühjahrsmüdigkeit offenbar überwunden“, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg der Produktion um 0,3 Prozent gerechnet. Der auf Basis von Daten aus Bayern und Nordrhein-Westfalen berechnete HVB/Reuters-Indikator für die Produktion hatte eine Ausweitung der Produktion um 0,6 Prozent signalisiert.

Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, der starke Anstieg habe sich bereits bei den Daten zum Auftragseingang der Industrie angedeutet, der im Juni überraschend deutlich um 2,4 Prozent zugelegt hatte. „Es zeigt sich gerade für die Industrie ein deutlicher Aufwärtstrend an, die Konjunktur in Deutschland läuft ordentlich.“ Die Auftragseingänge und die Produktion sind die wichtigsten realwirtschaftlichen Konjunkturindikatoren in Deutschland. Solveen hält ein leichtes Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal für möglich. Auch sein Kollege Gerd Haßel von der BHF-Bank sieht die Produktionsdaten als vielversprechendes Vorzeichen für die weitere Wirtschaftsentwicklung: „Im zweiten Quartal wird sich das noch nicht auswirken.“ Die Zahlen seien jedoch ein „wunderbares Signal“ für die Wirtschaft im dritten Quartal.

Im Zwei-Monats-Vergleich stellten die Unternehmen im Mai und im Juni 0,9 Prozent mehr her als in den beiden Monaten davor. Innerhalb der Industrie fertigten die Investitionsgüterproduzenten im Juni 3,5 Prozent mehr, die Hersteller von Vorleistungsgütern registrierten ein Plus von 0,3 Prozent. Die Produzenten von Konsumgütern stellten dagegen 0,3 Prozent weniger her als im Mai, wobei allerdings die Erzeugung von Gebrauchsgütern um gut acht Prozent zulegte. Dieser Anstieg sei jedoch teilweise eine statistische Gegenbewegung sagte Solveen. „Wir sind weiterhin skeptisch, ob wir in der zweiten Jahreshälfte eine Belebung des privaten Verbrauchs bekommen.“

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