Kalter Winter verteurt frische Nahrungsmittel: Inflation in Deutschland beschleunigt sich

Kalter Winter verteurt frische Nahrungsmittel
Inflation in Deutschland beschleunigt sich

Teure Energie und höhere Reisepreise haben die Inflation in Deutschland im Februar wohl überraschend deutlich angeheizt.

HB BERLIN. „Es wird wohl bundesweit auf eine Verteuerung von 0,4 Prozent hinauslaufen“, sagte Karsten Junius von der DekaBank am Donnerstag nach den Preisdaten aus zwei Bundesländern. In Sachsen stiegen die Verbraucherpreise zum Vormonat um 0,4 Prozent und in Brandenburg um 0,5 Prozent. Dadurch erhöhte sich die Inflationsrate auf 1,7 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent. Nach Einschätzung von Analysten verteuerte dabei der kalte Winter in Südeuropa frische Nahrungsmittel. Zudem habe der frühe Karnevalstermin die Preise für Pauschalreisen, Hotels und in Gaststätten steigen lassen, da viele Menschen diese Tage für Reisen genutzt hätten.

Volkswirte hatten vor Veröffentlichung der ersten Länderdaten erwartet, dass die Verbraucherpreise in Deutschland um 0,3 Prozent gestiegen sind und die Jahresrate damit auf 1,7 Prozent von 1,6 Prozent zugelegt hat. Am Freitag wollten noch vier Bundesländer ihre Preisdaten melden. Das Statistische Bundesamt berechnet auf Basis der Preisdaten aus sechs Ländern die vorläufige Teuerungsrate für Deutschland.

Für den überraschend kräftigen Preisanstieg machten Experten vor allem Sonderfaktoren verantwortlich. „Die Zunahme der Energiepreise und teurere saisonabhängige Nahrungsmittel waren für den Anstieg entscheidend“, sagte SEB-Analyst Klaus Schrüfer. „Es gab in Südeuropa einen sehr kalten Winter, der sich offensichtlich auf die Preise ausgewirkt hat.“ So kostete Gemüse in Brandenburg gut 9 und in Sachsen fast 12f Prozent mehr als im Januar. Stephan Rieke von der BHF-Bank führte den deutlichen Anstieg bei den Reisepreisen auf die Lage der Karnevalstage zurück: „Den Karnevals-Effekt haben wir wohl alle etwas unterschätzt.“ Die Jahresteuerung dürfte sich seiner Ansicht nach in Deutschland auf 1,8 Prozent erhöhen.

Ein weiterer Preistreiber blieben die Energiekosten. Strom verteuerte sich in Brandenburg von Januar auf Februar um 0,7 Prozent, Gas um 2,3 Prozent und Heizöl um 2,5 Prozent. „Günstiger als im Vormonat konnte der Verbraucher Bekleidung, Heimtextilien und Haushaltsgeräte kaufen“, erklärten die Statistiker. Auch im Jahresvergleich heizte in Brandenburg und Sachsen vor allem die teure Energie den Preisauftrieb an. „Ohne die Einrechnung dieser Güter läge die Teuerungsrate nur bei 1,7 Prozent (statt 2,2 Prozent)“, erklärten die Brandenburger Statistiker.

Die Analysten bekräftigten aber den grundsätzlich günstigen Inflationsausblick. „Insgesamt bleibt das Bild für Deutschland aber unverändert: Die Preise bleiben hier ziemlich stabil“, sagte Schrüfer. Etwas Inflationsdruck kam weiter aus dem Ausland: Die Importe nach Deutschland verteuerten sich im Januar vor allem wegen deutlich teurerer Rohstoffe um 0,8 Prozent, die Jahresteuerung stieg bei den Einfuhren auf 2,9 von 2,2 Prozent.

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