Kampf gegen Deflation
Preise in Japan ziehen stärker an als erwartet

Große Hoffnungen hat Japan auf die Wirtschaftspolitik des neuen Ministerpräsidenten Abe gesetzt. Auf deren Wirksamkeit deuten nun mehrere Konjunkturdaten hin. Doch es gibt auch einen Haken.
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TokioDie japanischen Verbraucherpreise haben den schnellsten Anstieg seit fast fünf Jahren hingelegt. Sie zogen im Juli in der Kernrate - also ohne Berücksichtigung von Nahrungsmittelpreisen - um 0,7 Prozent an, wie aus der am Freitag veröffentlichten Statistik der Regierung hervorging. Volkswirte hatten 0,6 Prozent erwartet. Der Anstieg im Juni betrug 0,4 Prozent.

Das zunehmende Tempo bei der Preisentwicklung kommt dem Wirtschaftsprogramm des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zupass: Er hat dem Preisrückgang auf breiter Front den Kampf angesagt.

Allerdings beruht die jüngste Steigerung der Verbraucherpreise weniger auf einer starken Nachfrage als vielmehr auf den Import- und Energiekosten. Die Entwicklung des Yen-Kurses und die Schließung fast sämtlicher japanischer Kernkraftwerke nach der Atomkatastrophe von 2011 haben zu dieser Preissteigerung beigetragen. Ohne Nahrungsmittel- und Energiedaten fielen die Preise im Juli sogar um 0,1 Prozent.

"Da gibt es kein Vertun: Das Notenbank-Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent bleibt weiterhin meilenweit entfernt. Das ist viel zu hoch", sagte der Ökonom Tsuyoshi Ueno vom NLI Research Institute in Tokio der Nachrichtenagentur Bloomberg, bevor der Bericht veröffentlicht war.

Weitere Konjunkturdaten stützen die Hoffnung auf eine Erholung der japanischen Wirtschaft. So ist die japanische Industrieproduktion erstmals seit zwei Monaten wieder gestiegen. Wie die Regierung am Freitag auf vorläufiger Basis bekanntgab, erhöhte sich der Ausstoß im Juli im Vergleich zum Vormonat um saisonbereinigt 3,2 Prozent. Im Vormonat hatte in der Statistik noch ein Minus von 3,1 Prozent gestanden.

Zugleich sank die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit Oktober 2008. Saisonbereinigt betrug sie im Juli 3,8 (Juni: 3,9) Prozent, wie die Statistik der Regierung zeigte. Experten hatten im Schnitt mit einer unveränderten Quote gerechnet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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