Kampf gegen die Rezession
EZB deutet historische Leitzinssenkung an

Mit geringem Leitzins gegen die Rezession: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird im Kampf gegen die Rezession voraussichtlich schon bald einen historischen Zinsschritt machen. "Leitzinsen von zwei Prozent sind nicht das Niedrigste, das wir uns vorstellen können", sagte Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo am Mittwoch in einem Rundfunkinterview.

HB BERLIN/STUTTGART. Der Notenbanker signalisierte damit ebenso wie das belgische Ratsmitglied Guy Quaden, dass die Zentralbank den Leitzins im März auf das niedrigste Niveau seit Bestehen der Währungsunion vor mehr als zehn Jahren kappen wird. Analysten rechnen mit einer Senkung um einen halben Prozentpunkt auf 1,5 Prozent. Einer Nullzinspolitik, wie sie etwa die US-Notenbank Fed seit einiger Zeit fährt, erteilte EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark unterdessen eine klare Absage.

Eine weitere Lockerung der Geldpolitik hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bereits vorige Woche nach der Ratssitzung angedeutet, in der die Zentralbank eine Zinspause einlegte. Die EZB würde mit einer weiteren Zinssenkung ebenso Neuland betreten wie die Bank von England (BoE), die ihren Schlüsselzins in diesem Monat bereits auf ein Prozent gekappt hat - in der mehr als 300jährigen Geschichte der altehrwürdigen Bank lag der Schlüsselzins nie niedriger. BoE-Chef Mervyn King signalisierte bereits, dass er dem Vorbild der Fed folgen und weiter in Richtung einer Null-Zinspolitik gehen wird. Experten gehen davon aus, dass die britische Zentralbank den Schlüsselzins bereits nächsten Monat um einen halben Prozentpunkt auf 0,5 Prozent kappen wird.

Auch die schwedische Notenbank wagte einen historischen Schritt und kappte den Schlüsselzins um einen vollen Prozentpunkt auf ein Prozent: So niedrig lag er in dem skandinavischen Land noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1907.

Laut EZB-Ratsmitglied Quaden herrscht auch im Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank weitgehend Einigkeit, dass die Geldpolitik weiter gelockert werden muss. "Ich habe keine Einwände gegen eine Senkung, und die meisten meiner Kollegen sehen das wohl auch so", sagte Quaden. Die wirtschaftliche Schwäche sei ausgeprägt und die Inflationserwartungen fest verankert, fügte er hinzu. Sinkende Teuerungsraten lassen den Zentralbankern in Frankfurt derzeit mehr Spielraum für Zinssenkungen: Die Teuerungsrate in Deutschland ist beispielsweise im Januar erstmals seit fast fünf Jahren unter die Ein-Prozent-Marke gefallen. Die Verbraucherpreise stiegen nur noch um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die EZB sieht mittelfristig stabile Preise bei einer Teuerungsrate von knapp zwei Prozent gegeben.

Die Notenbanker kommen auch wegen der sich vertiefenden Wirtschaftskrise immer stärker unter Zugzwang. Das Wirtschaftsklima im Euro-Raum hat zu Jahresbeginn einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, fiel der Geschäftsklimaindex im ersten Quartal auf 45,8 Zähler von 50,8 Punkten am Jahresende 2008. Das war bereits der sechste Rückgang in Folge seit Ende 2007. Die Stimmung habe sich "in allen Ländern des Euroraums verschlechtert und liegt auf einem historischen Tiefpunkt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der spanische Notenbankchef Miguel Angel Fernandez Ordonez sieht die Welt in der größten Wirtschaftskrise seit Ausbruch der Großen Depression 1929. Auch Stark bescheinigt der Weltwirtschaft eine Rezession: "Der Begriff Depression ist aber ungerechtfertigt.

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