Kampf um EZB-Chefstuhl
Trichet gegen Weber – es kann nur einen geben

Bundesbankpräsident Axel Weber wird es im Kampf um die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einfach haben. Jean-Claude Trichet denkt nicht daran, vorzeitig das Feld zu räumen. Und: Im Streit mit dem amtierenden Präsidenten dürfte Weber in jedem Fall den Kürzeren ziehen.
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FRANKFURT. Der amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, mit dem sich Weber schon heute anlegt, ist Notenbankkreisen zufolge wild entschlossen, seinen Platz bis zum Ende seiner Amtszeit im Oktober 2011 voll auszufüllen. Bis dahin will er die Richtung der EZB bestimmen. „Sie müssten für das nächste Jahr seinen Terminkalender sehen“, berichtet eine Mitarbeiterin. Sein Einsatz sei unermüdlich.

Schon Trichets Vorgänger, der Niederländer Wim Duisenberg, hatte bis zum Ende seiner Amtszeit alle Fäden in der Hand gehalten. Trichet wird dies umso mehr versuchen – und der Kritik Webers weiter Paroli bieten. Die Widerworte machen dem Franzosen nicht viel aus. „Ich bin Kritik gewohnt“, erklärte er in der Pressekonferenz Anfang September.

So ließen auch Trichets Klarstellung nach Webers Kritik an den geldpolitischen Entscheidungen des EZB-Rats jüngst an Deutlichkeit nichts vermissen. „Es gibt nur eine Einheitswährung, einen EZB-Rat, nur eine geldpolitische Entscheidung und einen Präsidenten, der auch der Sprecher des Rates ist“, ließ der EZB-Präsident seinen möglichen Nachfolger Weber über ein Zeitungsinterview wissen.

Der Bundesbankpräsident hatte zuvor in New York in einer Rede erneut das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen der Problemländer kritisiert, das der EZB-Rat am 9. Mai beschlossen hatte. „Es gibt keinen Beleg, dass die Assetkäufe einen signifikanten Effekt auf die durchschnittliche Rendite der Staatsanleihen in der Euro-Zone, auf die sich die Geldpolitik ausschließlich fokussieren muss, hatten“, sagte er. Unmittelbar nach der Entscheidung im Mai hatte Weber den Dissens im EZB-Rat über das inzwischen 63,5 Mrd. Euro schwere Programm öffentlich gemacht und auf die Risiken hingewiesen. In New York forderte Weber seine baldige Einstellung.

Insider rechnen damit, dass Webers Kritik an Trichet im Sand verläuft

Es ist unüblich, dass einmal getroffene Entscheidungen des Rates öffentlich infrage gestellt, geschweige denn korrigiert werden. Weber aber hat nach Aussagen von Ratsmitgliedern auch gar nicht den Versuch gemacht, das Thema Anleihekäufe erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Was Weber jetzt noch bleibt: Er kann sich mit dem Programm abfinden, oder er protestiert weiter öffentlich gegen den Anleihekauf. Damit aber macht er sich den EZB-Rat und seinen Sprecher noch mehr zum Feind. Webers Konkurrenten um die EZB-Spitze, dem Gouverneur der italienischen Notenbank Mario Draghi, spielen die Streitereien in Frankfurt in die Hände. Er konzentriert sich auf seine Arbeit im Financial Stability Board und versucht, durch Leistung zu überzeugen.

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  • Er hat ja auch einen nationalen Auftrag. im Gegensatz zu uns Deutsche hat Trichet keine Probleme mit seiner Nationalität, und er wird noch gebraucht, um Frankreich bei der Krisenbewältigung zu helfen. Er wird bis zum Ende seiner Präsidentschaft souverän seine Strippen ziehen. Auftragsgemäß eben. Ob dann Weber oder andere sich gegen die politischen Kräfte stemmen können und werden , ist noch lange nicht ausgemacht. Eine bundesbank werden wir auf europäischer Ebene jedenfalls nicht etablieren können.

  • Mit der Genehmigung der Griechenlandhilfe ("Nibelungentreue" erscheint als begriff hier angebracht) hatte Trichet seinen Sündenfall und wird als Totengräber der Unabhängigkeit der EZb in die Geschichte eingehen. Damit wird der Euro das Schicksal all der Währungen nehmen, die von der Poltik dominiert werden. Die historische Linie zur D-Mark ist damit endgültig unterbrochen. Schade.

  • Lieber bürger, das Parteiengefüge hat sich bereits grundlegend umgestaltet. Die
    alten Volksparteien sind tot. Man mag es beklagen, aber wie immer im Leben,
    Untüchtigkeit wird einfach bestraft. Dieser Trichet hatte ja nichts eiligeres zu tun,als die 130 Milliard. deutsches " Zukunftsvermögen " ins Griechenlandfeuer ohne verbindliche Gegenleistung zu werfen mit der Folge, dass die Griechen erst einmal eine Steueramnestie in Höhe von 30 Milliard. erließen.

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