Kapitalflucht und Target-Salden: Griechisches Damoklesschwert über Europa

Kapitalflucht und Target-Salden
Griechisches Damoklesschwert über Europa

Immer mehr Griechen schaffen ihr Geld ins Ausland. Heimische Institute kaschieren den Kapitalabfluss, indem sie die Lücken mit EZB-Notkrediten stopfen. Das birgt nach Einschätzung von Experten ein hohes Risiko.
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BerlinDie ungelöste Griechenland-Krise hält die europäische Politik in Atem – und keiner der Beteiligten weiß, wohin letztlich die Reise geht. Immerhin will die Regierung in Athen nach den atmosphärischen Störungen der letzten Tage nun ihre Zusammenarbeit mit den Geldgebern wieder aufnehmen. Doch ist nicht absehbar, ob der Wille zur guten Tat auch den gewünschten Effekt nach sich ziehen und das Land vor der Pleite bewahren wird.

Alle warten nun darauf, dass die Tsipras-Regierung ihr Krisenmanagement den Auflagen der Geldgeber anpasst. Das Finanzministerium in Athen erklärte bereits, man werde die Fragen der zuständigen Institutionen beantworten. Die griechische Regierung hatte die Kooperation mit den Kontrolleuren von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission vor zwei Tagen im Streit gestoppt. Am Abend verpflichtete sich Regierungschef Alexis Tsipras bei einem Treffen am Rande des EU-Gipfels in Brüssel, die bereits vereinbarte Liste mit Reformen rasch vorzulegen. Unmittelbar danach rechne man mit der Auszahlung weiterer Hilfsgelder, erklärte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis heute.

Was auf den ersten Blick wie ein Silberstreif am Horizont erscheinen mag, ist trügerisch. Denn ein Damoklesschwert der besonderen Art schwebt über Griechenland und also auch über dem europäischen Steuerzahler. Das Problem, um das es geht, bracht kürzlich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, auf den Punkt: „Die größte Gefahr ist, dass die Kapitalflucht der griechischen Bürger das Bankensystem und damit das Land in den Kollaps zwingen wird“, sagte Fratzscher.

Fratzschers Warnung kommt nicht von ungefähr. Angesichts der neuerlichen Zuspitzung im Schuldenstreit sind wieder mehr Gelder von griechischen Bankkonten geholt worden. Anleger hätten am Mittwoch Einlagen im Umfang von rund 300 Millionen Euro abgezogen, sagten zwei hochrangige griechische Banker am Donnerstag. Dies sei die höchste Summe an einem Tag seit der Einigung der Griechen mit den Euro-Zonen-Ländern auf eine Verlängerung des Hilfsprogramms. „Das ist kein großer Betrag, aber die Sorge ist, dass es sich um den Beginn eines Trends handelt, der sich verschärfen könnte“, sagte einer der Banker der Agentur Reuters.

Allein im Dezember und Januar flossen 16 Milliarden Euro aus dem griechischen Bankensystem ab. Schätzungen zufolge flossen seit Februar weitere zehn Milliarden ab. Damit hätten sich die Einlagen der griechischen Banken von 164 Milliarden Euro im November 2014 auf jetzt 138 Milliarden reduziert.

Kommentare zu " Kapitalflucht und Target-Salden: Griechisches Damoklesschwert über Europa"

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  • @Herr Jürgen Jantschik

    Ein normaler Bürger würde das selbstverständlich nicht tun.

    Man darf aber den normalen Bürger nicht mit Politikern vergleichen und schon gar nicht mit "Spitzenpolitikern", wie sie genannt werden oder sich selbst so nennen.

    Anstand, Glaubwürdigkeit, gute Sitten benötigen diese Personengruppen nicht, diese Attribute würden sie in ihrer Karriere sogar behindern.

  • In 4 Wochen seit den Vereinbarungen ist ausser viel Geschwätz nichts passiert. Wie kommt man darauf, dass sich das in einigen Tagen ändert? Aber Juncker hat den Griechen ja schon unabhängig davon Geld zugesagt. Wer kontrolliert eigentlich, für was das ausgegeben wird? Ich habe mal in einer Fernsehsendung gesehen, was so aus den Geldern wird. Da wurde ein Projekt von der EU gefördert. Die EU kontrolliert aber nicht, dafür war nach Angaben aus Brüssel Athen zuständig. Die verwiesen auf die Regionalbehörden und die wußten von nichts. Das Projekt wurde nicht fertiggestellt.

  • @Herr Bernhard Ramseyer20.03.2015, 17:14 Uhr

    @Herr Jürgen Jantschik

    - ....von Goldman Sachs übers Ohr hauen, dann holt man einen hochrangigen Vertreter von dort als Berater ????? -

    Man muss sich da fragen oder würde besser bei Merkel tief nachbohren, um festzustellen, wessen Geistes Kind sie eigentlich Ist.

    Welcher normale Bürger würde so etwas tun ??. Ich kenne niemanden !!

    Mit meinem Verständnis von Anstand auch gegenüber dem Steuerzahler, mit Glaubwürdigkeit oder guten Sitten hat das in meinen Augen nichts zu tun. Äußerst verwerflich und in meinen Augen anstandslos gegenüber den Menschen, die zu Lasten der Fälschungen von Goldman Sachs abkassiert wurden.

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