Katastrophe in Birma
Sturm erschüttert Reis-Markt

Die Sturm-Katastrophe in Birma hat den Handel aus der Balance gebracht. Der Reis-Preis schießt in die Höhe und erhöht das Risiko weiterer Hungerrevolten. Verbraucher reagieren mit Panikkäufen, Regierungen intervenieren kopflos.

NEU DELHI. Die Sturm-Katastrophe in Birma treibt den Reis-Preis an und erhöht das Risiko weiterer Hungerrevolten und staatlicher Interventionen in Asien. Am Mittwoch zog der Preis für die Standard-Reissorte in Thailand um zehn Prozent auf 941 Dollar pro Tonne an. Auch Terminkontrakte an Chicagos CBOT legen seit dem Zyklon stark zu.

US-Angaben zufolge sind in Birma möglicherweise mehr als 100 000 Menschen durch „Nargis“ getötet worden. Man habe Informationen, dass die Zahl der Toten in dem Delta sogar noch darüber liegen könnte, sagte eine US-Diplomatin in der Hauptstadt Rangun. Zuvor hatte ein UN-Vertreter gesagt, die Zahl der Toten könnte „sehr deutlich“ über der von der Regierung Birmas genannten knapp 23 000 liegen. Rund 41 000 Menschen werden bislang nach offiziellen Angaben vermisst.

Bereits seit Monaten schießen die Preise von Nahrungsmitteln weltweit in die Höhe, getrieben von einer wachsenden Nachfrage, dem verstärkten Einsatz von Biosprit und dem Zufluss von spekulativem Kapital. Die Folge sind Hungersnöte, Revolten und Marktinterventionen in zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern.

Den aktuellen Ausschlag beim Reispreis erklären Experten dagegen mit der Lage in Birma, dessen Reiskammer mitten in der Erntezeit durch den Zyklon verwüstet wurde. „Ganz sicher wird es Ernteverluste geben“, sagt Concepcion Calpe, Ökonomin der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO. Daher seien Birmas Exporte gefährdet – mit gewaltigen Auswirkungen auf die ganze Region.

„Das Angebot auf dem Weltmarkt ist so knapp, dass kleinste Veränderungen große Preissprünge auslösen“, warnt Chookiat Opashwongse, Präsident von Thailands Verband der Reisexporteure. Er glaubt, dass mit Birma ein weiterer Exporteur wegfällt. Vietnam und Indien schützen Verbraucher bereits durch Export-Beschränkungen. „Nichts hat den Reis-Preis mehr getrieben als diese Fehlentscheidung“, so Chookiat.

Gleichzeitig kündigten am Mittwoch die Philippinen „aggressive“ Käufe an. Der weltgrößte Reisimporteur will einer weiteren Angebotsverknappung zuvorkommen. Mangels Anbietern mussten die Philippinen in dieser Woche bereits den Kauf von 675 000 Tonnen annullieren. „Auch andere Großeinkäufer wie Iran, die seit Monaten abwarten, müssen bald kaufen“, so Chookiat. Das erhöht den Druck auf Thailand, den größten Exporteur. Doch weil dort Bauern, Zwischenhändler und Reismühlen auf höhere Preise spekulieren und Reis horten, können viele Exporteure ihre Kontrakte nicht erfüllen.

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