Kauflaune
WM beflügelt Konsum in großen EU-Ländern

In den großen EU-Ländern hat sich - folgt man jüngsten Zahlen aus Großbritanien, Frankreich und Italien - der private Konsum im zweiten Quartal durch die Fußball-WM belebt. Vor allem im Land des Weltmeisters herrscht derzeit ein „Klima der Euphorie". Für die zweite Jahreshälfte sind die Volkswirte allerdings skeptisch.

mm / ali / kk / ari LONDON / DÜSSELDORF. Die privaten Konsumausgaben haben im zweiten Quartal zur Konjunkturbelebung in der Europäischen Union beigetragen. Dabei sorgte die Fußballweltmeisterschaft auch außerhalb Deutschlands für positive Impulse. Das legen ein beschleunigtes Wachstum der britischen Wirtschaft im zweiten Quartal, stark gestiegene Konsumausgaben der Franzosen im Juni und ein im Juli deutlich verbessertes Konsumklima in Italien nahe. Volkswirte sind allerdings skeptisch, dass der Höhenflug beim privaten Verbrauch in den nächsten Monaten angesichts der steigenden Energiepreise und zu erwartenden Leitzinserhöhungen anhalten wird.

In Großbritannien stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal gegenüber dem vorherigen so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Nach einer ersten Schätzung des nationalen Statistikamtes ONS erhöhte sich das BIP um 0,8 Prozent nach aufwärtsrevidierten 0,7 Prozent in den beiden vorherigen Vierteljahren. Die Auftriebskräfte kamen vom Dienstleistungssektor, dessen Wachstum sich von 0,7 auf 1,0 Prozent beschleunigte. Die gesamte industrielle Erzeugung schrumpfte dagegen um 0,1 Prozent, nachdem sie im ersten Quartal noch um 0,8 Prozent gestiegen war. Verantwortlich dafür war vor allem das Minus von 2,8 Prozent in der Energie- und Wasserversorgung – eine Folge des warmen Wetters mit geringerem Strombedarf und behördlich verordneter Drosselung des Wasserverbrauchs. Im verarbeitenden Gewerbe allein schwächte sich das Produktionswachstum den vorläufigen ONS-Zahlen zufolge gegenüber dem Vorquartal von 0,9 auf 0,5 Prozent ab.

Zahlen zum privaten Verbrauch wird das Statistikamt zwar erst in einigen Wochen veröffentlichen, Ökonomen erwarten aber ein kräftiges Plus, da die Statistiker einen „besonders signifikanten Anstieg beim Einzelhandel“ meldeten. Offenbar hat die Nachfrage nach Lebensmitteln und Getränken während der Fußball-WM den britischen Einzelhandel gestützt. Im Juni stiegen die Ausgaben der Engländer in Supermärkten um zwei Prozent. Noch in den ersten drei Monaten gegenüber Ende 2005 hatte sich der Anstieg des privaten Konsums in Großbritannien auf 0,4 Prozent halbiert, während er sich im EU-Durchschnitt auf 0,6 Prozent verdoppelt hatte. Im Jahresvergleich war der britische private Verbrauch allerdings schon Anfang dieses Jahres mit 3,1 Prozent stärker gestiegen als im EU-Durchschnitt mit 1,8 Prozent.

Die jüngsten BIP-Zahlen sowie der unerwartet starke Anstieg der Inflationsrate von 2,2 auf 2,5 Prozent im Juni erhöhen allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank von England bald die Zinsen anhebt. Volkswirte sind sich aber nicht einig, ob dies bereits im August geschieht. Derzeit liegt der Leitzins bei 4,5 Prozent. Auf der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Rats der britischen Notenbank hatten sich alle Mitglieder noch für gleichbleibende Leitsätze ausgesprochen. Der Geldmarkt hat indes bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schnelle Zinserhöhung eingepreist. Gegenüber dem US-Dollar stieg das Pfund nach Veröffentlichung der BIP-Daten auf den höchsten Stand seit einem Monat.

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