Kein Aufschwung in Sicht
Rezession in Euroland auf dem Vormarsch

Die Wirtschaft in der Euro-Zone hat im zweiten Quartal wie erwartet stagniert und sich damit etwas besser entwickelt als in Deutschland. Wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag bekannt gab, blieb die Wirtschaftsleistung im Währungsraum von April bis Juni unverändert zum Vorquartal.

Reuters BRÜSSEL. Volkswirte nannten das Tempo der weithin erwarteten Erholung im zweiten Halbjahr ungewiss. Manche Experten sehen die Europäische Zentralbank (EZB) daher weiter unter Druck, die Konjunktur mit einer erneuten Zinssenkung anzukurbeln.

In Deutschland schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,1 %. Nach einem Minus von 0,2 % im ersten Vierteljahr rutschte die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone damit im ersten Halbjahr in eine leichte Rezession.

In der Euro-Zone war das BIP im ersten Quartal noch minimal um 0,1 % gewachsen. Im Vorjahresvergleich legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,4 % zu nach plus 0,9 % im ersten Quartal. Nach den Worten von Volkswirten brachten die BIP-Daten keine Überraschungen. Wie stark die erwartete Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr ausfalle, sei noch mit Fragezeichen behaftet, sagte Robert Lind von ABN Amro. „Wir sind immer noch in der Situation, dass die Erholung derzeit sehr viel stärker auf Hoffnung beruht als auf einem Gespür für die Realität.“

Julian Jessop von Standard Chartered ergänzte: „Die Dinge bessern sich - aber nach einer schlechten Entwicklung im ersten Halbjahr. Wahrscheinlich bleibt der Druck auf die EZB bestehen, die Zinsen weiter zu senken.“ Auch die europäischen Währungshüter sehen die Konjunktur in der Euro-Zone auf dem Weg der Erholung. Die EU-Kommission erwartet für das laufende dritte Quartal ein zum Vorquartal stagnierendes oder maximal bis zu 0,4 % steigendes BIP in der Euro-Zone und für das vierte Quartal ein Plus von 0,2 bis 0,6 %.

Volkswirte halten es für möglich, dass die BIP-Daten der Euro-Zone zum zweiten Quartal noch nach unten revidiert werden. „Die drei Länder, die bislang ihre Berichte vorgelegt haben - Deutschland, Italien und die Niederlande - haben alle rückläufige BIP-Zahlen präsentiert, und wir denken, dass das französische BIP ebenfalls rückläufig ist, weil die Industrieproduktion dort ziemlich schwach war“, sagte Glenn Davies von Credit Lyonnais.

Auch Italien und die Niederlande steckten im ersten Halbjahr in einer Rezession. Das niederländische BIP schrumpfte im zweiten Quartal sogar um 0,5 %. Nach gängiger Definition gilt ein Rückgang des BIP in zwei aufeinander folgenden Quartalen als Rezession. Erste Wachstumszahlen aus Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft des Währungsraums, stehen erst am 20. August an.

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