Kein Rückfall in Rezession: OECD fürchtet Abschwächung der Weltwirtschaft

Kein Rückfall in Rezession
OECD fürchtet Abschwächung der Weltwirtschaft

Auch die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einer Abschwächung der Weltwirtschaft. Eine einigermaßen genaue Prognose sei aber weiterhin schwierig. Deutschland ergehe es dabei deutlich besser als zum Beispiel Japan.
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HB ANKARA. Es sei schwierig zu sagen, ob die Verlangsamung der Erholung nur kurzfristig oder von längerer Dauer sei, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Dienstag bei einem Besuch in Ankara. Die Weltwirtschaft werde aber nicht erneut in eine Rezession abrutschen. Bis auf Japan sei auch in keinem Industrieland ein Rückfall in die Rezession zu befürchten.

Für Deutschland rechnet Gurria ebenfalls mit einem langsameren Wachstum. „Das zweite Quartal in Deutschland war sehr gut, aber das dritte Quartal wird wie anderswo auch etwas schwächer ausfallen“, sagte Gurria. Hauptaufgabe in den Industrieländern sei es, eine Balance zwischen Konjunkturhilfen und Haushaltskonsolidierung zu finden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte zuletzt ebenfalls vor einer Abschwächung der Erholung gewarnt.

Die deutschen Exporteure haben im ersten Halbjahr vor allem außerhalb Europas gute Geschäfte gemacht. „Eindeutige Wachstumstreiber bleiben die Schwellenländer, allen voran China und Brasilien“, erklärten der Branchenverband BGA am Dienstag. Die Ausfuhren nach China legten um 55,5 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2009 zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Nach Brasilien lieferten die Firmen gut 61 Prozent mehr, in die Türkei knapp 39 Prozent mehr. Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 458,3 Mrd. Euro und damit 17,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.

„Der deutsche Außenhandel hat im ersten Halbjahr 2010 eine atemberaubende Aufholjagd gestartet“, betonte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. Wichtig sei derzeit vor allem die Dynamik im Geschäft mit China. „Die chinesische Nachfrage ist die dringend benötigte Adrenalinspritze für die deutsche Konjunktur.“ Insbesondere die in der Krise schwer gebeutelten Branchen Maschinenbau und Kfz-Industrie profitierten davon. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) verzeichnet derzeit in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien eine starke Nachfrage nach deutschen Nutzfahrzeugen.

Nur unterdurchschnittlich legten die Exporte in die Hauptabsatzmärkte in der Euro-Zone zu: Hier gab es ein Plus von knapp elf Prozent. Das Geschäft mit den 26 Ländern der Europäischen Union zog um zwölf Prozent an. Der BGA sprach dennoch von deutlichen Anzeichen einer Belebung.

Die Exporteure bilden derzeit wie so oft in der Vergangenheit das Rückgrat des Aufschwungs und kurbeln die gesamte Wirtschaftsleistung an. Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 erwarten die meisten Fachleute, dass die Unternehmen eine Abkühlung der Weltwirtschaft zu spüren bekommen. Für dieses Jahr peilt der BGA ein Umsatzplus von deutlich über zehn Prozent an, nachdem im vergangenen Jahr das Geschäft um fast ein Fünftel eingebrochen war.

Kommentare zu " Kein Rückfall in Rezession: OECD fürchtet Abschwächung der Weltwirtschaft"

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  • Wenn das mit allen mitteln hochgepushte und subventionierte deutsche Exportgeschäft letztes Jahr um ein fünftel eingebrochen ist, dann wird es in den kommenden Jahren vielleicht zur Strafe für eine lausige, verantwortungslose Schuldenpolitik um zwei fünftel absacken. Mal sehen was Jubelpropagandisten wie börner dann sagen.

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