Keine Anpassung der Wachstumsprognosen
Konjunkturforscher abwartend beim Nahost-Konflikt

Auf den Ölpreis zeigt der Nahostkonkflikt deutlich seine Auswirkungen. Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sieht jedoch keinen Anlass, wegen der gestiegenen politischen Risiken ihre Wachstumsprognosen jetzt nach unten anzupassen.

ari DÜSSELDORF. Der Nahostkonflikt ließ den Ölpreis auch am Montag klettern. Die führende Nordsee-Ölsorte Brent erreichte mit 78,18 Dollar je Barrel (159 Liter) vorübergehend einen neuen Rekord. Gerüchte, es gebe Aussichten auf einen Waffenstillstand, ließen den Preis dann auf 75,73 Dollar am Nachmittag absacken. Öl war damit gleichwohl etwa ein Viertel teurer als zu Beginn dieses Jahres und 150 Prozent teurer als Anfang 2004.

Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sieht jedoch keinen Anlass, wegen der gestiegenen politischen Risiken ihre Wachstumsprognosen jetzt nach unten anzupassen. Das Hamburgische Weltwirtschaft-Archiv (HWWA), das Ifo-Institut in München, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Rheinisch-Westfälische Institut (RWI) in Essen warten erst ab, wie sich der Ölpreis in den nächsten Monaten entwickelt. Bei aller Besorgnis über die Entwicklung im Nahen Osten hoffen die Konjunkturforscher, dass es zu einer politischen Lösung kommt.

Das HWWA rechnet mit einem Dämpfer für die weltweite und deutsche Konjunktur, „wenn der Ölpreis bis zum Jahresende auf einem Niveau von über 80 Dollar verharren würde“, sagte HWWA-Konjunkturexperte Eckhardt Wohlers dem Handelsblatt. Sein Kollege Gebhard Flaig von Ifo schließt 2007 zwei Zehntel Prozentpunkte Wachstumsverluste in Europa und Deutschland nicht aus, sofern der Ölpreis auf rund 80 Dollar steigt und auf diesem Niveau bis ins nächste Jahr hinein bleibt.

Udo Ludwig vom IWH ist skeptischer. Bremseffekte für die Konjunktur erwartet er bereits dann, wenn der Ölpreis bis September dieses Jahres bei rund 80 Dollar verharrt. Für 2007 haben die Institute im Frühjahr einen Ölpreis von 65 Dollar im Jahresdurchschnitt unterstellt.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) verzichtet hingegen darauf, sich auf eine Preismarke festzulegen, ab der ein Konjunkturdämpfer zu erwarten ist. Der wichtigste Grund: Die deutsche Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren auch wegen der steigenden Nachfrage aus den Ölförderländern mit der Ölverteuerung wesentlich besser zurecht gekommen als in den 70er- und 80er-Jahren. „Die Modelle, die für die damaligen Ölpreisschocks entwickelt wurden, sind heute nicht mehr anwendbar – und für neue Modellrechnungen haben wir noch zu wenig gesicherte Erkenntnisse“, erläutert Carsten-Patrick Meier vom IfW. Deshalb lasse sich „im Vornhinein nicht mehr sagen, ob ein noch höherer Ölpreis die deutsche Konjunktur dämpfen wird“.

Für Felix Neugart, Nahost-Experte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), erzeugen Konflikte im Nahen Osten grundsätzlich „ein Klima der Unsicherheit, dessen Auswirkungen wegen der hohen Abhängigkeit von Energieimporten aus der Region weit über den eigentlichen Schauplatz hinausgehen“.

Nach Neugarts Angaben sind im Libanon rund 500 deutsche Unternehmen durch Handelsvertretungen präsent. 2005 exportierte Deutschland vor allem Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse und Maschinen im Wert von 456 Mill. Euro in den Libanon. Die Importe aus dem Land betrugen 17 Mill. Euro und betrafen in erster Linie Nahrungsmittel und Tabak.

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