Keine Gewinnrevisionen
Europas Firmen erreicht die Krise bislang nicht

Die Unternehmen in Europa stecken die Immobilien- und Finanzkrise bislang noch gut weg. Seitdem täglich Hiobsbotschaften die Finanzmärkte ereilen, steigen die Ertragsschätzungen sogar noch an. Einzige Ausnahme: Dem kleinen Segment der Spezialfinanzierer drohen bis Jahresende herbe Enttäuschungen.

DÜSSELDORF. „Bislang sind keine Anzeichen für Gewinnrevisionen nach unten zu erkennen, nicht einmal bei sensiblen Branchen wie Banken und Versicherer“, konstatiert Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Bei den Dax-30-Konzernen dürfte der Nettogewinn im laufenden Jahr um 15 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr, errechnet der Finanzspezialist Factset/JCF. Das ist zwar deutlich weniger als das Plus von 24 Prozent im vergangenen Jahr. Aber bislang hatten die Analysten der großen Investmenthäuser, auf die sich Factset beruft, noch nie einen so starken Zuwachs für 2007 prognostiziert.

Ursache für den Trend nach oben sind unerwartet starke Ergebnisse im zweiten Quartal und vor allem positive Ausblicke. Sie belegen, dass fast alle Unternehmen vom investitionsgetriebenen Aufschwung und der anziehenden Binnennachfrage in Europa profitieren. Knapp die Hälfte der Dax-Konzerne hob die Prognose für das zweite Halbjahr an.

Allein in den letzten sechs Wochen, also seit Ausbruch der Immobilienkrise, haben sich die Schätzungen noch einmal drastisch erhöht. So hoben Analysten für den Stahlkonzern Thyssen-Krupp ihre Nettogewinnerwartungen um sieben, für die Deutsche Lufthansa um 13 und für Volkswagen gar um 17 Prozent an. Auch für alle Banken und Versicherer ging es nach oben. Nennenswerte Abschläge nahmen die Experten lediglich für Deutsche Telekom und Infineon vor. Direkte Zusammenhänge mit der Immobilienkrise lassen sich hier jedoch nicht finden. Die Telekom leidet unter harten Wettbewerb und Kundenschwund, Infineon unter dem Preisverfall für Speicherchips.

Nicht alle Experten teilen jedoch die Zuversicht der Firmen und Analysten. „In diesem Jahr mögen die Gewinne noch gesichert sein, weil die Firmen genügend Aufträge haben. Aber dann drohen Rückgänge. Es ist erstaunlich, wie die Öffentlichkeit die Immobilien- und Finanzkrise auf die leichte Schulter nimmt“, warnt Jens Ehrhardt von der gleichnamigen Münchener Vermögensverwaltung.

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