"Keine Intervention vor 1,35 Dollar"
EZB sieht Euro-Anstieg gelassen

Auch nach dem erneuten Kursanstieg des Euro entspricht der Wechselkurs nach Worten von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing noch immer dem langfristigen Durchschnitt der früheren nationalen Währungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist einem Medienbericht zufolge nicht über den fortwährenden Anstieg des Euro besorgt und wird Interventionen am Devisenmarkt erst ab einem Kurs von 1,35 Dollar ins Auge fassen.

HB FRANKFURT. „Der gegenwärtige Euro-Kurs entspricht unseren Erwartungen, und ich kann keine Diskussion über Interventionen absehen, bevor wir nicht einen Anstieg über 1,35 Dollar sehen“, zitierte die Nachrichtenagentur Market News International am Mittwoch EZB-Kreise.

Der Euro-Kurs eilt seit zwei Wochen von einem Rekordhoch zum nächsten und markierte am Mittwoch einen Höchststand von 1,2380 Dollar. Befragt nach der Möglichkeit von Eingriffen am Devisenmarkt, mit denen die Zentralbank versuchen könnte, den Kursanstieg zu bremsen, hatte Issing am Montag gesagt: „Wenn wir wollen, können wir.“ Die EZB hatte im Jahr 2000 mehrmals am Devisenmarkt Dollar verkauft, um die Talfahrt des Euro zu stoppen. Im September 2002 hatten die Notenbanken der sieben führenden Industrieländer (G-7) gemeinsam den Euro gestützt.

Um wirkungsvoll auf die Wechselkurse einwirken zu können, müsste auch die amerikanische Notenbank zu Interventionen gegen die Dollar-Schwäche bereit sein, zitierte Markt News die EZB-Kreise weiter. Die US-Notenbank habe derzeit jedoch die Haltung, den Dollarkurs wohlwollend zu vernachlässigen. „Ich sehe derzeit keine Unterstützung von den USA.“ Issing stellte in dem Interview mit Bloomberg unterdessen heraus, man dürfe nicht nur den Euro-Dollar-Kurs betrachten. Entscheidender für die Wirtschaftslage sei der effektive Wechselkurs zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner der Euro-Zone. Dieser ist mit einer Aufwertung von zwölf Prozent in diesem Jahr weniger gestiegen als der Kurs zum Dollar, der sich um knapp 18 % erhöht hat.

Market News berichtete unter Berufung auf weitere EZB-Kreise, der stärkere Euro könne die Notenbank veranlassen, den Leitzins von 2,00 % noch bis Anfang 2005 unverändert zu lassen, da der Kursanstieg die Inflation niedrig halte. Eine weitere Zinssenkung sei hingegen unwahrscheinlich. Die meisten Analysten erwarten eine erste Zinserhöhung im zweiten Halbjahr 2004.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%