Keine Lockerung der Geldpolitik
Der europäische Weg

Auch nachdem die US-Notenbank beschlossen hat, ihre Nullzinspolitik um ein neuerliches riesiges Anleiheaufkaufprogramm zu ergänzen, lassen sich Europas Notenbanker nicht vom Stimulierungseifer ihrer amerikanischen Kollegen anstecken. Jean-Claude Trichet betont die Eigenständigkeit der EZB.
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FRANKFURT, LONDON. Die Konjunkturlage in den USA und im Euro-Raum ist ähnlich, der geldpolitische Umgang damit aber so verschieden, wie er nur sein kann. Während die US-Notenbank am Mittwoch beschloss, ihre Nullzinspolitik um ein neuerliches riesiges Anleiheaufkaufprogramm zu ergänzen, erteilte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, zusätzlichen Stimulierungsmaßnahmen gestern eine Absage.

Dabei ist die Arbeitslosigkeit mit 10,1 Prozent im Euro-Raum höher als in den USA. Das Wirtschaftswachstum wird hier in diesem Jahr nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds nur 1,7 Prozent betragen gegenüber 2,6 Prozent in den USA. Auch für das kommende Jahr sieht das Verhältnis mit 1,5 Prozent Wachstum im Euro-Raum und 2,3 Prozent in den USA ähnlich aus. Lediglich aus der aktuellen Inflationsrate, die in den USA im September mit 1,1 Prozent etwas unter der des Euro-Raums lag, ergibt sich ein Argument für eine expansivere Geldpolitik in den USA.

EZB diskutiert über Straffung der Geldpolitik

Dennoch dreht sich im Gegensatz zu den USA die Diskussion innerhalb der EZB darum, ob man nicht bald die Krisenmaßnahmen zur Versorgung der Banken mit Zentralbankliquidität auslaufen lassen sollte. Bundesbankpräsident Axel Weber, der im EZB-Rat Sitz und Stimme hat, vertritt diese Position besonders nachdrücklich. Er möchte, dass die Banken nicht mehr unbegrenzt Kredite von der EZB zu einem Prozent bekommen, sondern sich mit höheren Zinsgeboten um eine begrenzte Menge bewerben müssen. Außerdem drängt Weber darauf, das im Mai aufgelegte Programm der EZB zum Ankauf von Staatsanleihen endgültig zu schließen.

Die EZB hat Anleihen für etwas über 60 Mrd. Euro gekauft, den weitaus größten Teil im Mai und Juni. Trichet verwies für eine Entscheidung des EZB-Rats über die Fortführung der Krisenmaßnahmen auf die nächste Sitzung im Dezember. Zur Frage, ob die lockerere Geldpolitik der USA den Euro deutlich nach oben treiben könnte, wollte sich Trichet nicht äußern. Der Euro stieg im Lauf der Pressekonferenz bis auf 1,4282 Dollar, den höchsten Stand seit Januar. Er habe keine Indizien, dass die USA mit einer Schwächung ihrer Währung spielten", war das Einzige, was Trichet zu den Wechselkursen sagte. "Die EZB hat ihr eigenes Mandat und bleibt diesem treu."

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  • "Dabei ist die Arbeitslosigkeit mit 10,1 Prozent im Euro-Raum höher als in den USA. Das Wirtschaftswachstum wird hier in diesem Jahr nach Schätzung des internationalen Währungsfonds nur 1,7 Prozent betragen gegenüber 2,6 Prozent in den USA. Auch für das kommende Jahr sieht das Verhältnis mit 1,5 Prozent Wachstum im Euro-Raum und 2,3 Prozent in den USA ähnlich aus"

    Hier werden doch wieder mal Äpfel mit birnen verglichen: in den USA werden nur diejenigen als arbeitslos registriert, welche für 99 Tage Arbeitslosengeld erhalten, denn länger währt die Arbeitslosenversicherung in den USA nicht. Mir ist nicht bekannt, dass es einen Staat in der EU gäbe, welcher nur drei Monate langen Arbeitslosengeld gewährt....die Zahl von 10. 1 kann also ruhig mal zwei genommen werden, wenn das nur reicht.....Auch die Sache mit dem Wirtshcaftswachstum ist mit Vorsicht zu geniessen, wenn man als berechungsgrundlage den Zahlenwert in USD heranzieht... die EZb sollte schön bei einer soliden Finanzpolitik bleiben und sich nicht durch falsche Statistiken beeindrucken lassen. Die Zahl der Wähler, die Obama abstraften, zeigen doch genug, dass die Realität deutlich schlechte aussieht als in der EU..

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