Keine Schwächezeichen
Firmen freuen sich über Aufträge ohne Ende

Viel Licht und kaum Schatten offenbart ein Blick auf Deutschlands Top-Branchen. Nach dem starken ersten Halbjahr lassen sich keine Schwächezeichen bis weit in das Jahr 2008 erkennen. Zumindest eine kräftige Delle hatten alle Branchen zu Jahresbeginn noch prognostiziert.

Maschinenbau und Elektroindustrie: So stehen für den deutschen Maschinenbau die Chancen gut, im laufenden Jahr um neun und nicht, wie noch im Frühjahr gedacht, um vier Prozent zu wachsen: Mit knapp 95 Prozent ist Deutschlands Vorzeigebranche so stark ausgelastet wie noch nie. Dabei sind es längst nicht mehr in erster Linie Chinesen, die Produkte „made in Germany“ ordern, sondern die großen europäischen Nachbarn. Frankreich drängte China gerade bei den Bestellungen auf Platz drei zurück. Die meisten Ausfuhren gehen in die USA. Sollte die Wachstumsprognose in Erfüllung gehen, hat die Branche ihre Produktion binnen vier Jahren um ein Drittel gesteigert.

Wenn die Unternehmen überhaupt etwas zu klagen haben, dann über den Mangel an Arbeitskräften. So würde die Branche gerne 20 000 Stellen besetzen. Bei der starken Nachfrage seien sogar 30 000 möglich – „wenn die Arbeitskräfte denn zur Verfügung stünden“, wie Branchenverbandspräsident Dieter Brucklacher betonte. Insgesamt beschäftigt der Schlüsselsektor knapp 900 000 Menschen. Weder der Verband noch Bankhäuser, wie die auf den Mittelstand spezialisierte IKB Deutsche Industriebank, vermögen einen Abschwung zu erkennen. Auch 2008 wird sich das Wachstum fortsetzen.

Daran gemessen, schauen die Zahlen in der zweiten großen Boombranche fast bescheiden aus. Die Elektroindustrie will bislang immer noch nicht ihre Wachstumsprognose von fünf bis sechs Prozent für das Gesamtjahr erhöhen. Kleine Einschränkung: Branchenhauptgeschäftsführer Gotthard Graß spricht inzwischen vom „unteren Rand“, wenn er auf die Prognose angesprochen wird.

Chemie: Traditionell konservativ gibt sich zum Jahresbeginn stets die Chemieindustrie. Deshalb gehört es fast zur Tradition, mit steigenden Temperaturen die Latte höher zu legen. Inzwischen rechnet die Branche damit, dass die Umsätze 2007 um 7,5 und die Produktion um 3,5 bis vier Prozent zulegen werden. Nach einem kleinen Stimmungstief zum Jahreswechsel herrscht längst wieder Optimismus. Womit anfangs niemand gerechnet hatte: Schwächen im wichtigen Amerikageschäft gleichen die großen Schwellenländer mehr als aus.

Bau: Nach dem stärksten Frühjahrswachstum seit dem Boom im Zuge der Wiedervereinigung hat auch die lange gebeutelte Baubranche ihre Umsatzprognose von 3,5 auf fünf Prozent angehoben. Befürchtungen, der Aufschwung von 2006 werde sich als Strohfeuer entpuppen, gelten inzwischen als unbegründet. Schon jetzt reichen die Aufträge weit in das nächste Jahr hinein. Die Nachfrage kommt vor allem von den Unternehmen, die in ihre Fabriken und Werkstätten investieren. Angesichts der sinkenden Neuverschuldung der öffentlichen Hand hegt die Branche zudem gute Hoffnungen, dass die Kommunen und Länder bald wieder mehr Geld in die Hand nehmen, um ihre häufig maroden Gebäude zu renovieren. Nachdem sich binnen zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten auf rund 700 000 halbiert hatte, dürften 2007 rund 15 000 Stellen hinzukommen – vorausgesetzt, die Branche findet genug Leute. Denn noch gehen mehr Arbeitskräfte in Rente, als Nachwuchskräfte ihren Job beginnen.

Auto: Am schwächsten scheint ausgerechnet Deutschlands Paradedisziplin dazustehen, die Autoindustrie. Die PKW-Hersteller dürften in diesem Jahr „nur“ vier Prozent mehr produzieren. Schuld an den nicht ganz so starken Zahlen ist der kräftige Nachfrageeinbruch im Inland. Doch zur Entschuldigung lässt sich anführen, dass in erster Linie Vorzieh- und damit Einmaleffekte die Bilanz nach unten verzerren. Ende 2007 kauften viele Menschen noch schnell ein Auto, um der höheren Mehrwertsteuer zu entgehen. Beachtlich: Für jeden Wagen, den die Hersteller in der Heimat weniger verkaufen, setzen sie zwei Autos im Ausland mehr ab. Der Export gleicht die Schwäche also mehr als aus.

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