Keine Zinswende
Fed versorgt die Märkte weiter mit billigem Geld

Die US-Notenbank will weiterhin an ihrer Nullzinspolitik festhalten. Der Grund sind eine weiterhin hohe Arbeitslosenquote, die Inflation soll nach Ansicht der Fed mittelfristig dagegen gedämpft bleiben.
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ColombusWegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit zeigen führende Vertreter der US-Notenbank Fed keine Bereitschaft für eine rasche Abkehr von ihrer Nullzinspolitik. „Die derzeit konjunkturstimulierende Haltung der US-Geldpolitik ist angemessen, denn die Arbeitslosenquote bleibt hoch, während die Inflation über mittlere Sicht gedämpft bleiben dürfte“, sagte Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen am Donnerstag in Tokio.  

Diese Ansicht teilt die Präsidentin der regionalen Notenbank von Cleveland, Sandra Pianalto. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bevor der Arbeitsmarkt wieder als gesund bezeichnet werden kann“, sagte sie in Columbus. Die Konjunkturerholung werde sich zwar fortsetzen. „Aber das Wachstum wird hin und wieder frustrierend langsam sein“, sagte Pianalto. Die Geldpolitik sei deshalb angemessen, zumal die Inflationserwartungen niedrig seien.  

Erst bei klaren Signalen für einen gefestigten Aufschwung will die Notenbank an der Zinsschraube drehen, kündigte der Präsident der San Francisco Fed, John Williams, an. „Wenn sich die Konjunktur merklich erholt hat, muss die Fed natürlich die Zinsen anheben, um die Wirtschaft vor einer Überhitzung und dem Entstehen einer übermäßigen Inflation zu bewahren“, sagte Williams, der im kommenden Jahr über die Zinspolitik mitentscheiden darf.

Die US-Privatwirtschaft hat zuletzt deutlich weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Einer Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge stieg die Zahl der Jobs im Mai um 38.000. Das ist der kleinste Zuwachs seit September 2010. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Plus von 175.000 gerechnet. An diesem Freitag werden die offiziellen Arbeitsmarktdaten für Mai von der Regierung veröffentlicht. Erwartet wird nur ein kleiner Rückgang der Arbeitslosenquote von 9,0 auf 8,9 Prozent.  

Die mächtigste Notenbank der Welt fährt seit Dezember 2008 praktisch eine Nullzinspolitik. Zwischen 0 und 0,25 Prozent Zinsen müssen Banken zahlen, wenn sie sich bei ihr Geld leihen. Während die Europäische Zentralbank (EZB) wegen steigender Inflationsrisiken bereits im April erstmals nach fast drei Jahren ihren Leitzins angehoben hat, lässt sich die Fed mit der Zinswende noch Zeit. Grund dafür ist die hohe Arbeitslosenquote. Anders als die EZB ist die Fed nicht nur der Preisstabilität verpflichtet, sondern soll auch Vollbeschäftigung fördern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wen interessiern eure Zinsen ?
    Eure verarmte Bevölkerung braucht Geld und kein Kredit.
    Die USA ist kein Land mehr, in der man aus Händer Arbeit Kredite zurück bezahlen kann.

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