Keine Zurückhaltung am Rentenmarkt
Japanische Notenbank bleibt großer Käufer von Staatsanleihen

Die japanische Notenbank dürfte fortfahren, jeden Monat für rund 1,2 Billionen Yen (entspricht 8,9 Mrd. Euro) Staatsanleihen zu kaufen, obwohl sie die Phase einer sehr lockeren Geldpolitik beendet hat. Dafür wird nach Meinung von Experten der Druck der Regierung sorgen.

WSJ TOKIO. Viele Analysten erwarten, dass die Bank von Japan frühestens im kommenden Fiskaljahr, das im April 2005 beginnt, ihre Politik ändern wird. Allerdings gibt es Befürchtungen am Anleihenmarkt, die Konjunktur könne vorher anziehen, was eine frühzeitige Abkehr von der großzügigen Geldpolitik nach sich ziehen würde. Nach einem solchen Schwenk wäre die Notenbank nicht länger einer der größten Käufer am Anleihemarkt.

Nach Ansicht von Notenbankkreisen sind diese Befürchtungen jedoch nicht berechtigt. Selbst wenn es zu einer Abkehr von der lockeren Geldpolitik kommen sollte, werde die Bank von Japan fortfahren, Anleihen zu kaufen, heißt es dort. Das wichtigste Argument der Notenbank, ihre Käufe von Zinspapieren trotz einer strengeren Geldpolitik auf dem heutigen Niveau zu halten, dürfte sein, dass sie ihre langfristigen Verbindlichkeiten und ihre dementsprechend ihre Anlagen in Übereinstimmung bringen möchte. Die langfristigen Verbindlichkeiten seien vor allem die ausstehenden Banknoten, sagen Notenbankkreise.

Ein weiterer wichtiger Grund wäre der Druck der Regierung in Tokio, die mit einem Berg von Schulden zu kämpfen hat. In normalen Zeiten würde eine straffere Geldpolitik dazu führen, dass die Notenbank weniger Anleihen kauft – oder im Extremfall sogar keine mehr. Die Bank von Japan kann sich aber nicht frei bewegen. Würde sie ihre Käufe von Staatspapieren drastisch zurückfahren, so hätte das einen sprunghaften Anstieg der Zinsen zur Folge. Damit würde die Belastung der Regierung enorm steigen – Japan wird nach Prognosen des Finanzministeriums im März 2005 einen Schuldenstand von 140 Prozent des Bruttoinlandprodukts erreichen.

Hohe Beamte der Bank von Japan haben seit langem gesagt, dass sie kein Interesse haben, den Anleihenmarkt zu beeinflussen. Außerdem stützen die Käufe den Markt. Die Notenbank übernimmt rund fünf bis sechs Prozent der monatlichen Emissionen, in der Regel geht sie einmal in der Woche an den Markt. Ein Problem besteht allerdings: Die Zentralbank hat sich eine interne Obergrenze für die Anleihenkäufe gesetzt. Wenn sie so weitermacht wie bisher, wird sie diese Marke bald erreichen. Will sie ihre Politik nicht ändern, müsste sie daher dieses Limit außer Kraft setzen oder verschieben.

Seit die Notenbank auf eine lockere Geldpolitik umgeschwenkt war, hat sie stets betont, dass sie ihre Bestände an Staatsanleihen unter dem Volumen der umlaufenden Banknoten halten will. Damit soll die Regierung zu finanzieller Disziplin ermutigt werden. Nach den jüngsten Daten hält die Bank Staatsanleihen von 66 Bill. Yen, während der Notenumlauf bei 71 Billionen lag.

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