"Keinen Hinweis auf Zinssenkung"
Analysten reagieren auf den EZB-Entscheid

Enttäuschend, überraschend, zuversichtlich - die Meinungen der Analysten zur Zinsentscheidung der EZB gehen weit auseinander.

HB BERLIN. Die Europäische Zentralbank (EZB) geht trotz uneinheitlicher Signale weiter von einer wirtschaftlichen Erholung in der Euro-Zone aus. „Wir haben unsere Einschätzung nicht geändert, dass das derzeitige Zinsniveau in Einklang mit Preisstabilität auf mittlere Sicht bleibt“, sagte Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach der EZB-Zinsentscheidung. Den Leitzins ließ die EZB unverändert bei zwei Prozent. Analysten sagten zu den Äußerungen Trichets in ersten Reaktionen:

Aziz Micmahon, Währungsstratege bei ABN Amro: „Das gibt keinen Hinweis darauf, dass es die EZB eilig hat, die Zinsen zu senken, oder dass eine Zinssenkung bevorsteht.“

Ditmer de Vries, Rabobank: „Das ist ein wenig enttäuschend. Trichets Haltung bleibt weiter eher neutral. Einige EZB-Vertreter haben Andeutungen in Richtung einer Zinssenkung gemacht, aber auf dieser offiziellen Ebene hat er die Gelegenheit nicht genutzt, diese Gedanken zu bestätigen. Wir werden bei unserer Prognose einer Zinssenkung im Juni bleiben.“

Julian von Landesberger, Hypovereinsbank: „Was den Konjunkturausblick anbetrifft, ist das ein wenig zuversichtlicher, als ich erwartet habe. Trichet sagte erneut, dass die Daten gemischt sind, aber nur kurzfristig einige Wachstumsrisiken zu sehen sind. Das ist eine schwächere Aussage, als ich erwartet hätte. Das Festhalten am Bild einer allmählichen Erholung deutet darauf hin, dass die Zuversicht in der EZB da ist, dass es sich nur um ein Zwischentief handelt. Es ist nach der Pressekonferenz nicht mehr auszuschließen, dass sich die aufgekommenen Zinssenkungsspekulationen als Erwartungsfalle herausstellen. Allerdings sind der April und der Mai noch lang, und ich würde eine Zinssenkung nicht ausschließen, vor allem weil für einen Zinsschritt nicht die aktuelle Lage, sondern die Wachstumsaussichten entscheidend sind. Überraschend ist für mich, wie die EZB trotz der gemischten Wirtschaftsdaten an ihrem optimistischen Bild für 2005 festhält. Nun wird interessant, wie die Wirtschaftsdaten im April und Mai kommen werden und ob diese eher das optimistische Bild der EZB oder unsere skeptischere Sicht bestätigen. Wir gehen vorerst weiter davon aus, dass die EZB die Zinsen noch einmal senken wird.“

Thomas Amend, HSBC Trinkhaus & Burkhardt: „Die EZB hat ein sehr neutrales Bild der Lage gezeichnet. Es gab also keinen Hinweis auf eine generelle Bereitschaft, die Zinsen zu senken, wie dies die Märkte erwartet hatten. Trichet hat sogar eher etwas mehr Betonung auf die Inflationsrisiken gelegt, indem er auf die Rohstoffpreise und die hohe Liquidität hinwies. Die EZB scheint zufrieden mit der aktuellen Inflationsentwicklung. Die Äußerungen deuten nicht darauf hin, dass die EZB in nächster Zeit die Zinsen senken wird. Bevor die EZB eine Senkung einleiten würde, müsste es wirklich eine große konjunkturelle Enttäuschung geben. Wir erwarten weiterhin, dass die Zinsen bis Jahresende konstant bleiben.“

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