Kieler Konjunkturprognose: Exportschwäche bremst das Wachstum

Kieler Konjunkturprognose
Exportschwäche bremst das Wachstum

Die deutsche Wirtschaft wird nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft 2011 nur noch halb so schnell wachsen wie in diesem Jahr. Besonders die lange vernachlässigte Binnennachfrage könnte die Wirtschaft anschieben, während der Export schwächelt.
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HB KIEL/PARIS. Die deutsche Wirtschaft wird nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft 2011 nur noch halb so schnell wachsen wie in diesem Jahr. Wegen einer deutlichen Abnahme der Auslandsnachfrage lege das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent zu, nach 3,4 Prozent im laufenden Jahr. Das teilten die Volkswirte in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturprognose mit.

Wie andere Experten erhöhten auch die Kieler damit ihre Schätzung für 2010 deutlich. Bisher hatten sie ein BIP-Plus von 2,1 Prozent und für 2011 von 1,2 Prozent veranschlagt. Die deutsche Wirtschaft bleibe in den kommenden Monaten vergleichsweise robust, allerdings werde sich die Wachstumsdynamik deutlich abschwächen.

Von Juli bis Ende September werde die gesamtwirtschaftliche Produktion zwar spürbar zunehmen, allerdings nicht mehr so stark wachsen wie in den drei Monaten zuvor. Für einen immer noch merklichen Anstieg sprechen nach IfW-Angaben mehrere Indikatoren: Im Juli und August habe sich das Geschäftsklima nochmals deutlich verbessert. In der Tendenz seien auch sowohl die Auftragseingänge in der Industrie als auch die Industrieproduktion weiter aufwärtsgerichtet. Vor diesem Hintergrund werde das BIP-Plus im dritten Quartal voraussichtlich bei 2,7 Prozent liegen.

Während die Nachfrage aus dem Ausland im zweiten Quartal besonders kräftig zugelegt habe, sollen diese Impulse im kommenden Jahr merklich nachlassen. Von April bis Ende Juni hätten die Exporte mit einer Jahresrate von rund 37 Prozent geradezu spektakulär angezogen, hieß es. Der Höhepunkt der weltwirtschaftlichen Expansion scheine damit überschritten, in den wichtigen Volkswirtschaften lasse die konjunkturelle Dynamik nach. Für weitere finanzpolitische Anschübe bestehe kein Spielraum mehr - im Gegenteil: In den Industrieländern nehme die Staatsverschuldung weiter kräftig zu, so dass erneute Turbulenzen an den Finanzmärkten wahrscheinlich seien.

Stütze der Konjunktur ist den Kielern zufolge künftig die Inlandsnachfrage, auch wenn deren Dynamik gegenüber 2010 nachlasse. Der Außenhandel dürfte 2011 anders als im Vorjahr keinen Beitrag zum Anstieg des BIP leisten, hieß es. Zwar würden die deutschen Exporteure ihre Marktanteile am steigenden Welthandel verteidigen können, die Importe dürften aber noch etwas schneller wachsen.

Auch Deutsche-Bank-Volkswirt Stefan Schneider zufolge lassen die externen Impulse 2011 deutlich nach, was der Binnennachfrage ein stärkeres Gewicht verschaffe. Im Vergleich zu diesem Jahr gehe aber auch diese zurück, erklärte Schneider auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Im laufenden Jahr sei das Inlandswachstum vor allem von Nachholeffekten gegenüber dem Krisenjahr 2009 geprägt.

Die Frankfurter Experten rechnen wie auch die Kieler mit einem BIP-Wachstum von 1,7 Prozent, der Export habe daran allerdings einen Anteil von 0,9 Prozent, während die Binnennachfrage 0,8 Prozent beitrage.

Nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird sich das weltweite Tempo des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr 2010 auf Jahressicht stärker abschwächen als bisher angenommen. In den führenden Industrieländern (G 7) sinke das BIP-Wachstum im dritten Quartal auf 1,4 und im Schlussquartal 2010 auf 1,0 Prozent. Im ersten Quartal war die gesamtwirtschaftliche Produktion um 3,2 Prozent und im zweiten Jahresviertel um 2,5 Prozent gestiegen.

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