Kollegenstreit
Bundesbank-Chef Weber lässt Sarrazin links liegen

Das Verhältnis zwischen Bundesbank-Präsident Axel Weber und Vorstandskollege Thilo Sarrazin scheint endgültig zerrüttet. Nach Informationen des Handelsblatts wechseln die beiden Spitzenvertreter der Zentralbank kaum noch ein Wort miteinander. Auslöser ist ein Interview, in dem sich Sarrazin über in Deutschland lebende Türken auslässt.
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BERLIN. Das Verhältnis zwischen Bundesbank-Präsident Axel Weber und Vorstandskollege Thilo Sarrazin scheint endgültig zerrüttet. Nach Informationen des Handelsblatts ist die Kommunikation zwischen den beiden Spitzenvertretern der Zentralbank nach den umstrittenen Äußerungen Sarrazins offenbar nahezu eingestellt. Auslöser für das Verwürfnis war ein Interview, in dem sich Sarrazin abfällig und diskriminierend über Türken in Deutschland äußerte.

Von dem Interview hat Bundesbank-Präsident Weber erst durch die eigene Presseabteilung erfahren, heißt es in Bundesbank-Kreisen. Dort betont man, dass Sarrazin das Interviews mit der Zeitschrift „Lettre International“ zwar über die Pressestelle abgewickelt habe, davon aber nicht Bundesbank-Chef Weber informiert habe. Weber, der den Text als inakzeptabel eingestuft hat, hat demnach seinen Kommunikationschef Benedikt Fehr eingeschaltet, um Sarrazin von der Veröffentlichung abzuhalten. Sarrazin habe dies ignoriert, das Interview eigenhändig freigegeben und damit den Eklat ausgelöst, hieß es in den Kreisen.

Sarrazin, der Anfang Mai von Berlin in die Bundesbankzentrale nach Frankfurt wechselte, hatte in dem Interview kritisiert, dass in Deutschland lebende Türken das Land genauso eroberten wie die Kosovaren den Kosovo: durch eine höhere Geburtenrate. Weiter sagte er: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Bundesbank-Chef Weber hatte sich von den Äußerungen distanziert und Sarrazin den Rücktritt nahegelegt.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

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