Kommentar
Danke Griechenland!

Der Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet muss die Zinsen niedrig halten, wenn er nicht das letzte bisschen Wachstum abwürgen will, das Griechenland helfen könnte, seine Schulden in den Griff zu bekommen.
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FrankfurtJean-Claude Trichet ist nicht zu beneiden. Niemals war der Spielraum des Präsidenten der Europäischen Zentralbank und seiner Ratgeber enger als heute. Zwei Meldungen von eben belegen das. Um 13.56 Uhr berichtet eine Nachrichtenagentur, dass Griechenland im Euroraum wirtschaftlich immer weiter zurückfällt. Das klamme Mittelmeerland schaffte zu Jahresbeginn nur ein Miniwachstum, wie aus den Daten des Statistikamtes in Athen hervorgeht. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März lediglich um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu.

Genau elf Minuten zuvor war die Meldung aus der Europäischen Zentralbank gekommen, dass der Leitzins im Euroraum unverändert bleibt. Die Beziehung zwischen den beiden Nachrichten liegt auf der Hand. Trichet kann nicht anders - er muss die Zinsen niedrig halten, wenn er nicht das letzte bisschen Wachstum abwürgen will, das Griechenland helfen könnte, seine Schulden in den Griff zu bekommen.

Darüber kann man klagen. Man kann auf die Gefahren der Inflation hinweisen und darüber lamentieren, dass die EZB ihre Unabhängigkeit längst verloren hat. Alles an dieser Stelle schon geschehen. Deswegen wollen wir uns heute einmal darüber freuen. Darüber freuen, dass weiter niedrige Zinsen einen weiter nicht übermäßig harten Euro bedeuten. Das ist ein Turbo für die deutschen Exporte. Auch den Aktienmarkt treibt ein niedriges Zinsniveau eher an. Also gilt unser Dank heute Griechenland. Er gilt einem Land, das die EZB daran hindert, an der Zinsschraube zu drehen - bis auf weiteres.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Danke Griechenland!"

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  • Die Gesetze sind doch alle selbstgemacht! Die Politiker müssen einfach auf EU-Ebene alles wieder aufheben und den Pensionskassen etc. erlauben "Ramschanleihen" zu kaufen. Lasst doch die Amis raten wie und was sie wollen. Aber: Wer wäre denn wirklich so blöd danach das Zeug auch noch freiwillig zu kaufen? Die Staatspleiten in der Eurozone sind doch nicht mehr abzuwenden. Es ist nur noch die Frage wer am Ende den Schwarzen Peter kriegt. Ich tippe auf Rentner, Sparer und Steuerzahler ;)

  • Was bringt mir denn ein Turbo für die Exportwirtschaft wenn langsam mein Erspartes bei negativen Realzinsen dahinschmilzt? Und will man statt zu sparen das Geld lieber gleich ausgeben muss man feststellen dass alles extrem teuer geworden ist. Die Löhne hinken hinterher. Wo ein Gewinner ist, ist auch ein Verlierer. Gewinner: Exportwirtschaft. Verlierer: Arbeiter, Sparer, Rentner. Wozu bedanken?

  • es ist unfassbar, dass nur wenige verstehen, dass die HAUPTSCHULD dieses Debakels die 3 amerikanischen Ratingagenturen haben ! Durch deren "downgrading" darf kein institutioneller Investor mehr Griechenland Anleihen halten/kaufen. Kurzum, uns Europaern wird von Amerikanern de-facto befohlen, was wir mit unserem eigenen Geld machen - absurd aber Tatsache. Der effektive Grund: Amerika (selber technisch pleite) muss weiterhin asiatische Kredite erhalten und muss deshalb Unsicherheit bei Europa schueren! Der kleine Agrarstaat Griechenland dient dafuer als Esel.

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