Kommentar
Das Märchen vom Horror

Mit dem Ifo-Index ist ein weiteres wichtiges Konjunkturbarometer katastrophal ausgefallen. Die Angst vor einer Rezession steigt - doch sie ist zumindest für Deutschland übertrieben.
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DüsseldorfDer Rückgang des Ifo-Index im August ist drastisch ausgefallen: Es war mit  4,2 Punkten der schärfste Einbruch seit November 2008. Bereits gestern waren der ZEW- und der Einkaufsmanagerindex schlecht ausgefallen. Noch viel krasser ist die Entwicklung am Aktienmarkt: Die Marktkapitalisierung der Dax-Unternehmen ist seit dem 26. Juli in nur wenigen Tagen um 186 Milliarden Euro geschrumpft -  dies entspricht 7,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. 

Damit zeigen alle wichtigen Barometer in eine Richtung: nach unten. Trotz dieser Horrornachrichten sind Ängste vor einer Rezession in Deutschland übertrieben.  

Gegen einen Rückfall in die Rezession sprechen vier Gründe: Erstens dürfte die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter sinken. Die meisten Unternehmen wollen nach wie vor mehr Personal einstellen, wie Ifo-Chef Sinn heute noch einmal betonte. Das Wachstum am Arbeitsmarkt stützt die Binnenkonjunktur und könnte so dabei helfen, ein langsameres Exportwachstum auszugleichen.  

Eine zweite Stütze für die Konjunktur ist die Baubranche. Nach langer Krise steht der Bau heute so gut da, wie lange nicht mehr. Eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die Zahl der genehmigten Wohnungen im ersten Halbjahr 2011: Sie stieg um fast 30 Prozent. Die höhere Nachfrage nach Wohnungen hängt auch mit der zunehmende Inflationsangst vieler Menschen zusammen. Aus Furcht vor höheren Preisen investieren Anleger und Privatpersonen nicht nur in physisches Gold, sondern auch in so genanntes Betongold. Ein noch wichtigerer Faktor ist jedoch das niedrige Zinsniveau, das diese Investitionen so attraktiv macht.  

Auch die Unternehmen erhöhen ihre Bauinvestitionen. Nach neuesten Zahlen des Ifo-Instituts wollen deutsche Unternehmen in diesem Jahr rund 14 Prozent mehr in Bauten und Anlagen investieren als im Vorjahr. Davon sollen zwei Drittel auf Kapazitätserweiterungen entfallen.

Dies führt zum dritten Punkt – den Rekordgewinnen der Unternehmen. Die Unternehmen haben bei ihren Gewinnen kräftig zugelegt und stehen finanziell glänzend da. Der Spielraum für höhere Löhne und stärkere Investitionen ist da. Die Ifo-Zahlen zeigen, dass er teilweise genutzt wird. Die sinkende Arbeitslosigkeit wird dazu beitragen, dass auch die Löhne stärker steigen.

Viertens sind die Perspektiven für den Außenhandel unterm Strich nicht so schlecht, wie häufig angenommen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet weiter damit, dass die Exporte im kommenden Jahr um neun Prozent steigen. Diese Zahl erscheint hoch angesichts der Rezessionsgefahren in den USA und einigen Ländern der Eurozone. Allerdings werden die Exporte nach China weiter wachsen – selbst wenn sich die Konjunktur dort etwas abkühlt. Auch das Wachstum der Ausfuhren in andere Schwellenländer dürfte weiter anhalten – wenn auch auf niedrigerem Niveau. Nicht zuletzt haben die schlechteren Wachstumsperspektiven auch einen gegenläufigen Effekt: Sie drücken die Preise für Öl und andere Rohstoffe. Dies stärkt die Kaufkraft und wirkt wie ein Konjunkturprogramm. Darüber hinaus ermöglicht es den Zentralbanken in den USA und der Eurozone, länger an ihrer ultraniedrigen Zinspolitik festzuhalten.     

 

 

 

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Im Krisensommer 2011 offenbart sich der desaströse Zustand unserer Demokratien. Eine übermächtige Finanzwirtschaft führt Politik und Eliten vor.
    Seit dem Crash von 2008 wissen wir, dass nichts so irrational, gefährlich und unproduktiv ist wie das Meuteverhalten der Finanzakteure, die keinem anderen als dem eigenen Nutzen folgen…
    Jeder Staat meinte, „seine“ Wirtschaft optimal in Stellung bringen zu müssen, indem Kosten gesenkt, Verpflichtungen gelöst und außerdem sagenhaft viel Geld verdient werden konnte.
    Dieser neue Kapitalismus hat die Ideale und Stärken der Demokratien in einem Maß untergraben, wie kein äußerer Feind es gekonnt hätte. Die „Märkte“ sind zur Parallelgesellschaft des 21. Jahrhunderts geworden. Sie können jenseits der für alle anderen gültigen Maßstäbe von Haftung und Verantwortung handeln…
    Die Demokratien haben sich vom neuen Finanzkapitalismus ihr Selbstbewusstsein abkaufen lassen. Der Aufstieg der Demokratie war nicht möglich ohne die soziale und rechtliche Zivilisierung des Kapitalismus, ohne die Zurücksetzung der Macht der ökonomisch Stärkeren. Die alternden Demokratien kapitulieren vor ihr.
    Erst die Deregulierungseuphorie demokratischer Regierungen hat den sagenhaften Aufstieg der Finanzoligarchie möglich gemacht, und die Nebenwirkung trat sofort ein – die abrupt sinkende Fähigkeit zur politischen Selbstkorrektur. Noch eindrucksvoller als die Liste des zahlreichen Finanzcrashs ist die Unfähigkeit, daraus Konsequenzen zu ziehen…

  • ???
    schreibt das der praktikant in der 2. woche oder was ?!?!
    1. die arbeitslosigkeit DÜRFTE sinken - nach prognosen von vor 3 monaten oder was ?! erleb ich aktuell (metallbau mittelstand) ganz anders. da haut die konjunkturabschwächung die letzten 3-4 wochen schon richtig rein (nein, nix urlaubszeit - viel schlimmer)
    2. baubranche - super aktueller indkikator: die bauen jetzt, was ihnen vor 6 monaten im boom in auftrag gegeben wurde - eher total nachläufig...
    3. siehe 2. und 1. - punkt 3 gibt es eigentlich gar nicht, leitet der handelsblatt-praktikant aus 1. und 2. ab.
    4. ohne worte - schlechte wachtumsraten im aussenhandel = konjunkturprogramm im 3. stärksten exportland der welt.
    unsere exportabhängigkeit wird uns seit über einem jahr immer wieder vorgehalten (usa, oecd, eu etc.), jetzt soll ein rückgang wie ein konjunkturprogramm wirken - WIRDS NOCH GEHEN !?!?!?

    summa summarum (ja, ich hab grosses latinum): nach dem praktikum mal was richtiges arbeiten, chefredakteur abmahnen - ansonsten kerzen anzünden und hoffen.

  • ok,e s ist nicht der HORROR
    es ist nur katastrophal??

    Und der Hochverräter will gerade 780 Mrd € am Bundestag vorbei in die EU transferieren, nur damit die Dolche-Vita Staaten weiterhin in Saus und Braus leben können.

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