Kommentar der Fed-Chefin
Janet Yellen ist besorgt über Facebooks Höhenflug

Sie sieht den Wert einiger IT-Firmen als historisch überhöht – so deutlich wie Janet Yellen, hat sich noch nie ein Fed-Chef zu einer Branche geäußert. Die Erholung der US-Wirtschaft sieht Yellen noch nicht abgeschlossen.
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WashingtonUS-Notenbankchefin Janet Yellen hat sich überraschend besorgt geäußert zu hohen Aktienkursen bestimmter Technologie-Firmen und damit die Börsen auf Talfahrt geschickt. Die Bewertung einiger kleinerer Firmen sowie von Social-Media- und Biotechnologie-Unternehmen erscheine im historischen Vergleich hoch, sagte Yellen am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Bei einigen Anlageklassen gebe es Anzeichen, dass die Risikobereitschaft der Anleger gestiegen sei. Weitergehend äußerte sich die Fed-Chefin indes nicht. Es war das erste Mal seit 14 Jahren, dass ein US-Notenbankgouverneur die Bewertung spezifischer Branchen kommentierte.

Die technologielastige US-Börse Nasdaq drehte nach den unerwarteten Äußerungen prompt ins Minus. Die Aktien von Facebook verloren 1,8 Prozent, die des Bewertungsportals Yelp 3,8 Prozent. Der Nasdaq Biotechnology Index rutschte um 1,8 Prozent auf ein Tagestief von 2649Punkten. Der Dax schloss 0,7 Prozent bei tiefer mit 9719 Punkten. „Ihre Bedenken mit Blick auf die Bewertung einiger Branchen stoßen vielen Investoren auf“, sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.

Auch ein anderer Analyst wunderte sich über Yellens Bemerkungen. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Fed-Chef einen Mikroblick auf eine bestimmte Branche wirft. Normalerweise äußert er sich über die höchste Ebene. Ich denke aber, dass die Fed nun etwas mehr im Einklang mit den Sorgen der Märkte steht“, sagte Chefmarktstratege Fred Dickson vom Finanzdienstleister D.A. Davidson & Co.

Die Äußerungen Yellens zum allgemeinen Zustand der US-Konjunktur ließen die Anleger hingegen weitgehend kalt. Die Fed-Chefin hatte erklärt, obwohl sich die Konjunktur weiter verbessere, sei die Erholung „noch nicht komplett“. Noch immer seien zu viele Amerikaner arbeitslos. Auch würden die Löhne nur leicht wachsen. Yellen verteidigte damit das Festhalten der Fed an ihrer Niedrigzinspolitik und an den Wertpapierkäufen. Der Leitzins liegt seit langem zwischen null und 0,25 Prozent. „In der Vergangenheit haben wir eine Art trügerische Morgenröte erlebt, Zeiten, in denen wir dachten, dass unser Wachstum sich beschleunigen und der Arbeitsmarkt sich schneller verbessern würde. Und nach späteren Ereignissen haben sich diese Hoffnungen leider als zu optimistisch erwiesen“, sagte die Fed-Chefin. Die „solide Flugbahn“ der weltgrößten Volkswirtschaft müsse gesichert sein, bevor eine Erhöhung der Zinsen erwogen werde.

Es gebe „keine Formel und keine mechanische Antwort“ zur Anhebung des Zinsen. Bei einem raschen Aufschwung am Jobmarkt sei eine frühere Wende in der Zinspolitik aber möglich, die nach derzeitigem Stand „irgendwann 2015“ komme, sagte Yellen. Gegen Ende 2015 könnte der Leitzins ihren Aussagen zufolge bei rund 1 Prozent liegen. Die Fed hatte ihre monatlichen Konjunkturhilfen durch den Kauf von Wertpapieren im Juni um zehn auf 35 Milliarden Dollar pro Monat gekürzt. Die Anleihekäufe sollen bei der Oktober-Sitzung der Fed beendet werden.
In einem Kommentar der BayernLB hieß es, Yellens Einschätzung zur Exit-Strategie aus der lockeren Geldpolitik sei insgesamt unverändert geblieben. Yellen habe nochmals das in den letzten Protokollen diskutierte Ende des Taperings (Reduzierung der Anleiheankäufe) auf der Oktober-Sitzung des Offenmarktausschusses bestätigt. Die Bank bleibe zudem bei ihrer Prognose der ersten Leitzinsanhebung im Juni 2015.

Am Mittwoch soll Yellen auch vor dem Finanzausschuss im Repräsentantenhaus aussagen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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