Kommentar
Die Stimmung wird schlechter

Die Verbraucher trauen dem Aufschwung nicht mehr. In den USA sind fast alle Möglichkeiten zur Konjunkturbelebung ausgereizt. In Europa hat jedoch die Europäische Zentralbank noch Handlungspotenzial.
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Um die Konjunktur der USA ist es nicht gut bestellt. Die Arbeitslosigkeit ist hartnäckig hoch, die Haushalte sind stark verschuldet, und sie werden immer ärmer, weil die Aktienkurse ebenso fallen wie die Immobilienpreise. Das Gelddrucken durch die Notenbank und die staatlichen Konjunkturprogramme haben nicht mehr erreicht als eine ganz leichte Zwischenerholung des Marktes. Vieles von dem Wachstum auf Pump der ersten Jahre des Jahrtausends muss die US-Wirtschaft jetzt im Wege der Entschuldung zurückgeben.

In dieser Lage ist es kein Wunder, wenn das Verbrauchervertrauen geradezu einbricht und das ohnehin kaum noch vorhandene Wachstum der privaten Verbrauchsausgaben gefährdet ist. Ohne Wachstum wird der Weg aus der Überschuldung noch schwieriger, der Zwang, sich einzuschränken noch stärker. Das wiederum dämpft das Einkommenswachstum zusätzlich.

Auf zusätzliche Unterstützung von weiter sinkenden Zinsen können die Hausbesitzer bei dem bereits erreichten niedrigen Niveau kaum hoffen. Es bleibt nur der Staat, der versuchen könnte, sich dieses Mal mehr um die Absatz- und Einkommenschancen in der Realwirtschaft zu kümmern, anstatt dem Finanzsektor mit Billionenhilfen zu kräftig sprudelnden Gewinnen zu verhelfen. Allerdings hat ihn dieses Unterfangen so viel Geld gekostet, dass es schwierig werden wird, neue Konjunkturprogramme aufzulegen, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Immobilienmarkt zu stützen.

Präsident Barack Obama hat sich das zwar vorgenommen. Es besteht jedoch die ernste Gefahr, dass es bei einem Wahlkampfinstrument bleibt, das die Schuld für die drohende Rezession den Republikanern zuweisen soll, die kostspielige Konjunkturprogramme wohl blockieren werden.

In Europa sieht es derzeit nicht viel besser aus als in den USA. Auch hier wird die Stimmung schlechter. Auch hier ist das Verbrauchervertrauen extrem schwach. Deutschland ist in der guten Position, dass seine Haushalte und Unternehmen relativ gering verschuldet sind und dass seine Unternehmen in wachsenden Märkten in Asien und Lateinamerika eine starke Stellung haben. Doch wenn der Rest Europas in die Knie geht, bedroht das den Fortbestand der ohnehin schon angeschlagenen Währungsunion. Auch in Europa können daher die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger kaum zu früh aktiv werden. Handlungspotenzial hat vor allem die Europäische Zentralbank, die ihren Leitzins schnell wieder senken sollte.

Der Autor ist Korrespondent in Frankfurt. Sie erreichen ihn unter: haering@handelsblatt.com

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Kommentar: Die Stimmung wird schlechter"

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  • Wenn man weiterhin die Tatsache berücksichtigt, daß die Produktionsmittel in rund 40 Prozent der produzierenden Betriebe in den USA hoffnungslos veraltet - und damit nicht mehr konkurrenzfähig sind, frage ich mich, in welchen Bereichen Obama die neuen Arbeitsplätze schaffen will. Innovationen finden z.Zt. kaum statt - und Google als das finanzstärkste Unternehemen in Amerika z.B. schaftt kaum die benötigten Stellen.

    So lange die Banken nicht gezwungen werden, die von der FED geschaffene billige Liquidität in den USA, statt als Finanzinvestments in Schwellenländern zu investieren, wird sich an der Situation insgesamt nichts ändern. Die Investitionsstrategien der Finanzindustrie haben damit den größten Anteil an diesem Problem. Diese Häuser haben vor mehr als zehn Jahren begonnen, jede Veranwortung für die Wirtschaft des eigenen Landes abzulegen. Sie wieder darauf zu verpflichten wäre die einzige Möglichkeit, die Probleme nachhaltig ins Positive zu verändern.

    Aber an diese Aufgabe wird sich Obama kaum wagen. Machen wir uns nichts vor: Auch wir befinden uns praktisch in der Geiselhaft der Finanzindustrie. Das ganze Theater um die Hilfsprogramme für den Euro-Raum sind doch nichts anderes als Stützungsprogramme für die Banken. Die machen was sie wollen - und wir alle sind die Dummen.

  • Dachte das Sommerloch haben wir hinter uns - was soll denn dieser nichtssagender Lueckenfueller? Keine Substanz und nur wage Spekulationen.

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