Kommentar
Die US-Notenbank steckt im Dilemma

Eine Inflationsrate von 3,6 Prozent würde die EZB bekämpfen. Die Fed bleibt still, um die Konjunktur nicht weiter zu bremsen. Doch sie muss aufpassen, will sie das Vertrauen der Investoren nicht gefährden.
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FrankfurtDer US-Arbeitsmarkt ist in einem sehr schlechten Zustand, die Löhne sinken inflationsbereinigt und nun gibt es immer mehr Anzeichen, dass gleichzeitig die Konjunktur einknickt und die Inflation zulegt. Keine Frage: Das Dilemma der amerikanischen Notenbank wird immer größer. Bei einer Inflationsrate von 3,6 Prozent, wie sie heute für Mai bekannt gegeben wurde, hätte die Europäische Zentralbank schon lange drastisch die Zinsen erhöht.

Doch in den USA bleiben sie auf absehbare Zeit bei praktisch Null. Denn die Notenbank hier ist auch für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuständig, und die wird bei einer Konjunkturabschwächung wie ihn der Rückgang des Geschäftsklimaindikators für den Staat New York nicht als erster Indikator anzeigt, eher steigen. Noch kann sich die Federal Reserve darum drücken, die Geldpolitik zu straffen, denn noch ist das Vertrauen in die Konjunkturführerschaft der USA da. Wenn es Anzeichen für Konjunkturprobleme gibt, wird der Dollar stärker statt schwächer, weil die Investoren davon ausgehen, dass die Welt Grippe bekommt, wenn die USA husten.

Sollte die Konjunktur tatsächlich einen Knick bekommen, wird auch die Inflationsrate wieder sinken, denn die hohen Rohstoffpreise werden dann nicht mehr zu halten sein, und von den Löhnen kommt auch kein Inflationsdruck. Wenn sich der Schwächeanfall als kurze Episode herausstellt, kann es heikel werden. Wenn die Inflation vom derzeit schon erreichten Niveau weiter steigt, dann ist bald ein kritisches Niveau erreicht, bei dem das Vertrauen der Investoren in Gefahr gerät. Dann wird die Notenbank bald mit Zinsanhebungen reagieren müssen.

Letztlich wird sie aber kaum etwas gegen Inflationsraten von drei bis vier Prozent haben, denn eine etwas erhöhte Inflationsrate ist ein probates Mittel, den Staatshaushalt zu sanieren. Dadurch, dass Regierung und Notenbank nur auf Inflationsgrößen wie die Kerninflationsrate und den „Deflator des Bruttoinlandsprodukts“ abheben, die nicht so stark steigen, bekommt das Publikum die wahre Inflation gar nicht richtig mit.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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  • Man kann davon ausgehen, daß die monetären Maßnahmen in den USA in Kombination mit einer strukturellen Schwäche im relawirtschaftlichen Angebot bereits dazu geführt haben, was z. B. die Östereichische Schule (Hayek) und auch die Monetaristen (Friedman) prophezeiten: Stagflation.

    Dieses Ergebnis haben die Demokraten und die FED zumindestens seitens der staatlichen Finanz- und Geldpolitik zu verantworten. Hinsichtlich der Privatwirtschaft und speziell der Privaten Unternehmen bestehen die Probleme seit über 15 Jahren. Weder Clinton noch Bush haben das zur Kenntnis genommen und erst recht nicht darauf reagiert. Obama sitzt in diser Hinsicht in der Falle seiner Vorgänger.

  • Berauschender Kommentar, quasi im Nebensatz wird die gewollte Seite ( Abbau des Staatsdefizits) erwähnt. Es ist doch das Ziel der Fed Deflation zu vermeiden und Inflation als Helfer zu begrüssen. Der Kommentator ist wohl Schäubles Ansicht: Preussisches zu Tode sparen, zukünftig auch : der europäische Tod.

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