Kommentar
Drei Prozent Inflation sind kurzfristig möglich

Die EZB dreht wegen der Euro-Krise nur sehr maßvoll an der Zinsschraube, somit wird die Inflation weiter angeheizt. Eine dauerhafte Gefahr für die Geldwertstabilität bedeutet dies aber noch nicht.
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DüsseldorfDie Verbraucherpreise sind im Mai um 0,2 Prozent gesunken, die auf das Jahr gerechnete Inflationsrate ging dementsprechend leicht auf 2,3 Prozent zurück. Zwar ist das für sich genommen noch kein Grund zur Entwarnung. Doch zeigen die Daten, wie stark die amtliche Inflationsrate von externen Umständen abhängt: Ist das Osterfest später als sonst, ziehen die Preise für Pauschalreisen eben später als sonst im Jahr an. Begehrt die arabische Welt nach Freiheit, treibt das die Spekulationen auf den Ölmärkten. Und erleiden die Spekulanten dann später Schiffbruch, sinken die Preise eben wieder.
Dieses Auf-und-ab bekommt der deutsche Autofahrer dann zwar an den Zapfsäulen zu spüren. Doch mit der klassischen Inflation, die von Notenbanken mit Zinserhöhungen bekämpft werden muss, hat das kaum etwas zu tun.

Sicher, im Aufschwung gelingt es Lieferanten leichter, Preiserhöhungen bei ihren Abnehmern durchzusetzen. Und die wiederum können solche Preiserhöhungen besser an die Endverbraucher weitergeben, wenn das Geld angesichts einer in Aussicht gestellten Gehaltserhöhung vielleicht etwas lockerer sitzt. Eine nur für die deutsche Geldpolitik zuständige Notenbank würde in so einer Situation sicher an der Zinsschraube drehen, um die Konsumlaune etwas zu bremsen.
Da die EZB dies wegen der Euro-Krise aber allenfalls sehr maßvoll kann, wird Deutschland wohl noch länger ein etwas zu niedriges Zinsniveau erhalten bleiben. Das wird den Aufschwung weiter befeuern, letztlich aber wohl auch die Inflation etwas anheizen. Daher ist es nicht auszuschließen, dass bald auch mal ein drei vor dem Komma stehen könnte, wenn das Statistische Bundesbank die monatlichen Inflationsraten veröffentlicht. Doch zu einer dauerhaften Gefahr für die Geldwertstabilität würde dies aber erst werden, wenn es zu einer Lohn-Preis-Spirale wie in den 70er Jahren käme. Doch die ist derzeit nicht Sicht.

Kommentare zu " Kommentar : Drei Prozent Inflation sind kurzfristig möglich"

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  • Hier wird Inflation = Entwicklung des Warenkorbes gleichgesetzt, was völliger Blödsinn ist!
    Vereinfacht ausgedrückt ist Inflation das Geldmengenwachstum abzüglich Wirtschaftswachstum. Das Geldmengenwachstum ist leicht festzustellen, aber allein beim Wirtschaftswachstum gibt es auch wieder "Schönrechnereien". Insgesamt gesehen soll mit den veröffentlichen Inflations- und auch den Arbeitslosenzahlen das Volk ruhig gehalten werden. Mit den realen Zahlen würde es einen Aufstand geben!

  • ...das fängt die Rentenerhöhung von unter 1% doch locker auf, die Fahrt geht weiter in den Abgrund.

  • Also sprach das Statistische Bundesbank

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