Kommentar
Ein Kraftpaket Deutschland ist nicht ohne Risiko

Die deutsche Wirtschaft liefert rosige Nachrichten. So rosig, dass es schon unheimlich wirkt. Zumal mit dem Kraftpaket Deutschland keiner in der Euro-Zone mithalten kann. Das könnte zum Bumerang werden.
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Die ersten drei Monate des Jahres waren wieder einmal ein Superquartal für die deutsche Wirtschaft. Mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, auf ein Jahr hochgerechnet entspricht das sechs Prozent, hat sie die anderen europäischen Länder und voraussichtlich auch fast alle Industrieländer hinter sich gelassen.

Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Unternehmensgewinne sprudeln, die Steuereinnahmen des Staates steigen kräftig. Die gerade erst abgeschlossene Steuerschätzung, die große Steuermehreinnahmen versprach, ist damit zumindest für die nähere Zukunft schon wieder zu konservativ. Denn ein Wachstum von rund 3,5 Prozent ist mit diesem Start in das Jahr leicht erreichbar. Das ist deutlich mehr als die Steuerschätzer angenommen haben. Soweit die guten Nachrichten.

Gleichzeitig beschleicht einen bei diesen Zahlen allerdings auch ein deutliches Unwohlsein. Wird der deutsche Fiskus seine Mehreinnahmen behalten dürfen, oder wird er sie früher oder später in Form von Fiskalhilfen an diejenigen europäischen Staaten wieder abgeben müssen, die mit diesem deutschen Kraftpaket nicht mehr mithalten können? Dann würden wir einen guten Teil der Exporte in diese Länder de facto verschenken.

Noch ist nicht absehbar, wer oder was das wirtschaftliche Auseinanderdriften der Währungsunion aufhalten könnte. Von den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen hat noch keiner ein überzeugendes Konzept präsentiert. Solange das so bleibt, wird sich immer etwas Bitterkeit in die Freude über die guten Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland mischen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Kommentar: Ein Kraftpaket Deutschland ist nicht ohne Risiko"

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  • Allen meinen Vorrednern muss ich dann doch mal Prof. Flassbeck von UNCTAD zur Lektüre empfehlen. Deutschlands ständiger Gier nach Aussenhandelsüberschuss ist es, der wir die schwachen Euro-Länder verdanken. Wir erwirtschaften rd. drei Viertel dieses Überschusses von ca. 160 Mrd € in Europa. Und der Überschuss den Dtl. macht, ist auf der anderen Seite zwangsweise Defizit! Das ist der wichtigste Grund, warum die schwachen Euro-Länder ihre Schulden nicht abtragen können und auf Transferleistungen angewiesen sind! Für die Verteilung der Unternehmensgewinne innerhalb Deutschlands ist die hiesige Politik verantwortlich. Finanztransaktionssteuern, progressive Vermögenssteuern, Schließen von Steuerschlupflöchern - da ist der Ansatz für eine gerechtere Umverteilung. Und mit höheren Reallöhnen kann man die Binnennachfrage ankurbeln. Aber bitte nicht auf den Ländern rumhacken, die man vorher ausgenommen hat wie Weihnachtsgänse.

  • Momentan läuft die deutsche Wirtschaft gut, bis die Inflation noch etwas steigt und die Leute kaum noch was kaufen können.
    Und warum sprudeln die Firmengewinne so und die Arbeitslosigkeit ist gesunken?
    Weil Deutschland EU-weit das Ausbeuterland ist und darauf müssen unsere "Eliten" nun wahrlich nicht stolz sein. Dumpinlöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, all das machen die Firmengewinne.
    Aber Vorsicht, immer mehr Deutsche wachen auf und dann haben wir auf der Straße Zustände wie derzeit in Griechenland.
    Aber vielleicht ist das auch nötig, um die Gier endgültig zu beenden und auch wieder ordentliche Politiker zu bekommen, die zum Wohle des deutschen Volkes handeln und nicht gegen ihr Volk.

  • Das bedeutet nichts Anderes, als dass Deutschland eine starke Währung benötigt - nicht den Euro. Eine Währung, die durchaus mal aufwerten darf und damit den Wohlstand in Deutschland erhöht.
    Der Euro ist die größte Katastrophe für Europa. Diesen Spaltpilz, eingeführt von den eurokratischen Technokraten, wird Europa nicht mehr los. So ist es mit der Hybris überambitionierter politischer Projekte, die am Reissbrett ohne Wahrnehmung des Möglichen und Realistischen entworfen werden: Sie müssen scheitern. Schade nur, dass die Bevölkerung in den europäischen Staaten für diese "politischen Projekte" mit ihrem Wohlstand zahlen muss.
    Dass die deutsche Wirtschaft gerade gut läuft, das ist die Beruhigungspille dafür, dass die Deutschen beim Euro noch stillhalten. Wenn die nächste Rezession da ist, dann wird's aber ungemütlich! Vor allem, wenn die Zinsen für die Bunds durch die Decke gehen. Viel Glück im Wolkenkuckucksheim!

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