Kommentar
Kritik am Export-Überschuss ist unberechtigt

Die exportstarke deutsche Wirtschaft stand jahrelang in der internationalen Kritik. Sie hält dieser Diskussion das beste Argument entgegen: Der Export stärkt auch die Inlandsnachfrage.
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Die kritische Stimme war pointiert und prominent: „Unbalanced Germany“ titelte das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ Mitte 2009. Die Briten beklagten, dass die deutsche Wirtschaft einseitig auf Exporte ausgerichtet sei und deswegen weitreichende Probleme habe.

Deutschland beweist das Gegenteil. Und die Welt schaut staunend auf die beachtlichen Konjunkturdaten, mit denen die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone ihre Wirtschaftskraft demonstriert, während die meisten anderen Länder die negativen Meldungen nicht loswerden. So war es auch gestern, als bekannt wurde, dass die deutschen Ausfuhren im März den höchsten Monatswert erreicht haben, seit das Statistische Bundesamt 1950 begonnen hat, die Außenhandelsstatistik für die Bundesrepublik Deutschland zu führen.

Der entscheidende Erfolg der deutschen Wirtschaft ist allerdings nicht allein ihr florierendes Geschäft auf den ausländischen Absatzmärkten. Entscheidend ist, dass es – endlich – gelingt, durch die Erfolge der Unternehmen im Außenhandel die heimische Nachfrage anzukurbeln. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren rational gehandelt und gemacht, was sie am besten können: Sie haben, auch mitten in der weltweiten Weltwirtschaftskrise, alles auf die Karte Export gesetzt. Nun lässt sich eine weitere Karte im Inland ausspielen.

Das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft sind ihre Industriebetriebe. Wie groß das Potenzial dieses Wirtschaftszweiges ist, haben die Unternehmen selbst viele Jahre nicht geglaubt. In Umfragen, die das Handelsblatt etwa Jahr für Jahr unter einer repräsentativen Gruppe von Führungskräften gemacht hat, trauten die deutschen Manager noch vor acht Jahren ihren Unternehmen am wenigsten zu. Das hat sich eindeutig gewandelt: Keine andere Volkswirtschaft hat in den vergangenen Jahren ihre Konkurrenzfähigkeit so stark steigern und in den darauffolgenden Jahren verteidigen können wie die deutsche. Die hiesigen Unternehmen haben Wettbewerbsfähigkeit und damit großes Selbstbewusstsein gewonnen.

Das Land hat sich durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Gewerkschaften und der Politik aus einer schweren Standortkrise befreit. Der Schlüssel des Erfolgs waren die Kosten, die die Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv gesenkt haben. Das gilt vor allem für die Industrie. Sie hat ihre Lohnstückkosten von 2002 bis 2007 um elf Prozent verringert, nachdem sie von 1991 bis 2002 um 13 Prozent nach oben geschnellt waren, hat der Sachverständigenrat ausgerechnet.

Inzwischen bewundert die weltweite Kundschaft die deutsche Wirtschaft für ihr wettbewerbsfähiges Angebot, für die Qualität ihrer Produkte und für ihre Facharbeiter. Und die deutsche Wirtschaft profitiert davon, dass trotz der Wirtschaftskrise insbesondere asiatische Schwellenländer, vor allem China, wachsen und daher auf ihre Produkte, Maschinen, Anlagen und Kraftfahrzeuge, angewiesen sind.

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  • Brummt der Export, brummen auch die Neueinstellungen. Neueinstellungen bedeuten mehr konsumptives Kapital, das in den Binnenmarkt fließt. So einfach kann das sein.

    England hat immerhin über 30 Jahre hart daran gearbeitet, den Großteil seiner produzierenden Industrien in die Nordsee zu versenken. Als Thatcher die Macht der Gewerkschaften einschränken konnte, war es bereits zu spät. Und heute merken die Engländer, daß die Finanzbranche und der übrige Dienstleistungssektor kaum den Mehrwert durch Veredelung schaffen, der benötigt wird, um den Wohlstand aufrecht zu erhalten. Den hat man sich über Jahrzehnte durch Pump finanziert, und nun geht es ans rückzahlen, wenn es denn reicht.

    Ob sich der Durchschnittsbrite wohl einmal darüber Gedanken macht, daß England seinen Wohlstand in den letzten 250 Jahren der Plünderung seiner Kolonien verdankte? So viel Kurzsichtigkeit hätte ich denen eigentlich nicht zugetraut.

  • Lohnzurückhaltung ? auf kosten von wem?
    Auf kosten der billigen Sklavenarbeiter aus dem Osten.
    Beispiel : Ostbrumifahrer , rollende Sklaven quer über europas Autobahnen, stolzes Made in Germany.
    @#$% liebe deutschen höhrt auf die Welt für dumm zu verkaufen, ihr richtet schon genügend Schaden an.Antworten

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