Kommentar

Professorengeschwätz? Diesmal nicht

Das nahezu 500 Seiten dicke Gutachten der Wirtschaftsweisen, das Angela Merkel heute erhalten hat, sollte sie lesen. Sie sollte das Buch nicht als Ratschläge aus dem Elfenbeinturm abtun. Diesmal nicht.
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Dorit Heß, Handelsblatt-Redakteurin. Quelle: Pablo Castagnola

Dorit Heß, Handelsblatt-Redakteurin.

(Foto: Pablo Castagnola)

FrankfurtDie Ökonomenzunft mussten in der Krise zwar harsche Kritik einstecken, weil kaum einer von ihnen die Probleme kommen sah und weil ihre Konjunkturprognosen rückblickend mit der Realität wenig zu tun hatten. Die Wirtschaftsweisen haben ihre Lehre gezogen - und alternative Wachstumsszenarien aufgestellt, und eindeutig vor der erheblichen Unsicherheit ihrer Vorhersagen gewarnt. Denn: Vorhersehbar ist der Fortgang der Krise nicht. Es ist lediglich machbar, Szenarien aufzuzeigen, zu begründen und zu erläutern, welches wie wahrscheinlich ist.

Vor allem aber eine Kernbotschaft haben die Ratsmitglieder nach Berlin gebracht: ein klares Bekenntnis für Europa. Und eine klare Vorstellung, welche Rolle Deutschland dabei spielen soll. Das Land müsse „europäisch handeln“.

Auch wenn der Ton der Volkswirte diplomatisch und ihre Forderung nicht klar adressiert ist: Diese Botschaft geht eindeutig an die Adresse der Bundesregierung - und kann kaum anders verstanden werden als eine Klage, dass die Bundesregierung nicht verantwortungsvoll genug im Sinne Europas handelt. Wie ernst es den Ökonomen damit ist, demonstriert allein der Titel, den sie für ihr Gutachten gewählt haben: „Verantwortung für Europa wahrnehmen“.

Das erinnert stark an die Worte, die Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei der Verabschiedung von EZB-Präsident Trichet vor einigen Wochen in Frankfurt für die anwesenden hochrangigen Politiker fand: Es handele sich in Wahrheit „um eine Krise der Handlungsfähigkeit der politischen Organe›, hatte der Sozialdemokrat gewettert. Und noch drastischer formuliert: „Für die weitere Zukunft Europas ist das eine viel größere Bedrohung als die Überschuldung einiger Euro-Länder.“

Ein Altkanzler und Wissenschaftler können solche Kritik freilich leicht vorbringen - sie sind nicht eingebunden in langwierige Abstimmungsprozesse und müssen keine verfassungsrechtlichen Fragen beantworten. Ihre Forderung nach einem klar erkennbaren Kurs bleibt dennoch richtig.

Spätestens seit 2008 ist bekannt, was für dramatische Folgen es für die Realwirtschaft haben kann, wenn die Unternehmen verunsichert sind und sie keine Planungssicherheit haben. In den letzten Wochen hat sich angedeutet, dass einige Firmen geplante Investitionen zurückstellen - und erst einmal abwarten. Dieser für den einzelnen nachvollziehbaren Schritt ergibt einen riskanten Weg für die Gesamtwirtschaft. Ausgang ungewiss.

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8 Kommentare zu "Kommentar: Professorengeschwätz? Diesmal nicht"

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  • ein schwacher Helfer geht selbst unter . . . . diese bestätigte Wahrheit gibts auch schon paar tausend Jahre, der Rest sind ungeprüfte Ansätze. Ich lasse hier bewusst Lösung vor dem Anstatz weg. Wie wird eine saubere Rechnung erstellt? Strich drunter, addieren und nur das ist eine sauber Bezugsgrösse. Nicht das psychologische Moment eines verkoksten Investmentbankers, etc. p.p. Manches klingt einfach, bedingt aber das man auch nen Arsch in der Hose hat - und genau das geht diesen Schauspielern komplett ab.

  • Wer wirklich ein geeintes Europa will, der muß sich von nationaler Souveränität verabschieden. Das bedeutet dann eine europäische Regierung mit entsprechender Kompetenz und Verantwortung gerade auch im Bereich von Finanzen, Geld und Staatshaushalt.

    Aber genau das wollen die Regierungen der Euroländer eben nicht; sie wollen lediglich Vorteile von EU und Eurozone mit € für nationale Zwecke nutzen, aber Zuständigkeiten nicht abgeben. Daran scheitert das Ganze.

    Ob die Bevölkerungen das wollen - danach hat man die Menschen sowieso nicht oder nur sehr bedingt gefragt. Die Politik sollte sich selbst gegenüber und ihren Wähler gegenüber endlich einmal ehrlich sein.

  • Hallo Frau Heß, wie wäre es mit diesen Gedanken? Wir sprechen hier von einem Lösungsmuster für die Ökonomie und ihrer mehrheitlichen Probleme. http://www.schubaeusmodell.de/fileadmin/files/Dokumente/Regelwerk.pdf

  • Die Hochfinanz arbeitet nicht, sondern das Volk arbeitet fur sie:

    1. Schaffung von Papiergeld aus dem Nichts, d.h ohne Arbeit oder Gegenwert (nicht gedeckt!)

    2. Schaffung von nichts gegen Zinsen!! (wie frech geht es!)

    3. Multiplikation des Zinses durch den Betrug des fractional reserve banking, dh zB 50-100 mal mehr Gelddarlehen verleihen (und damit 50-100 x 5% Zinsen einstreichen!) als wirklich die Bank Geld hat.

    Verstehen sie jetzt, warum die Banken die grossten Hochhauser uberall in der Welt besitzen??

    4. Finale: Ausweitung dieses schamlosen Betruges der 'FED RESERVE' (weder staatlich noch eine Reserve, sondern ein privates Bankenkartell mit dem Privileg, das per Druckmaschine aus dem nichts geschaffene Papiergeld der USA gegen Zinsen an den Staat zu verkaufen!!) auf die ganze Welt per Weltleitwahrung Dollar, IMF, Weltbank etc!

    Das grosse Kassieren schaffen die Herren per Kontrolle der Geldmenge: erst die Fische angeln per Geldausweitung (Inflation und billiger Zins), dann Zuruckschrauben der Geldmenge, Deflation, Witschaftdepression und Asset stripping zum Abraumen, zB eine Villa in guter Lage in Berlin in 1923 fur ein einziges Goldstuck!, wenn die Deflation die Preise einbrechen lasst.

    Das hat schon US-Prasident Thomas Jefferson erkannt: Durch Wellen von Inflation und Deflation werden die Leute um den Lohn ihrer Lebensarbeit regelrecht beraubt. Deshalb schrieb die US-Verfassung Gold- und Silbergeld vor, das dem VOLKE, nicht den BANKEN gehorte! Dafur kampften die US-Prasidenten Jefferson, Madison, Jackson ('I killed the bank'), Lincoln und Kennedy. Die Fed ist die 3. US Zentralbank, die nicht nur die USA, sondern auch den Rest der Welt mit Ramsch verarmen last - stoppt die Fed und die EZB!! Zuruck zum Gold, die DM und die Freiheit, Rechte und die Unabhangigkeit unserer Volker!!

  • Liebe Frau Heß,

    Planungssicherheit gab es doch genug oder was meinen Sie denn, was die Masstricht- und Lissabonverträge waren.

    Wer hat denn klare Gesetze und Regeln über Bord geworfen, wer hat denn den Euro versenkt?

    Doch nicht die Unternehmer, sondern ganz allein die Politiker, die meinten sich an nichts halten zu müssen.

    Was die Wirtschaftsweisen nun wollen, ist eine andere Form einer Bad-Bank, nämlich eine Bad-Euro-Zone, die ausgelagert werden muss.

    Wer aber die Zeche zahlt, wissen weder die Wirtschaftsweisen noch Sie, oder wollen Sie das einfach nicht wissen?

    Übrigens, was halten Sie eigentlich von Demokratie??

  • Man muss immer wieder feststellen, dass die Gedanken der Herren Henkels und Hankels klug und klar sind und wirkliche Lösungen sind statt dem delusionären Festhalten an einer verirrten politischen Ideologie um jeden wirtschaftlichen und finanziellen Preis.

    Europa wird finanziell und wirtschaftlich wieder schnell gesunden, wenn wirtschaftspolitischer Realismus, wieder einkehrt, der Krebs der betrügerischen Wertschöpfung aus dem Nichts, die anarchisch sich auswirkende Deregulation der Bankenwelt und die Geschäfte mit vollkommen virtuellen 'Finanzprodukten' beseitigt wird und man endlich zurückfindet zu einem soliden System, in dem die Finanzwelt wieder der Wirtschaft und diese dem Volk und seinen Zukunftsinteressen dient und nicht umgekehrt! Dann sind wir von diesem Krebs geheilt!

    Wissen um diese Inhalte einer neuen Ordnungspolitik sind bereits 50% des Weges, der nächste Schritt ist dessen Umsetzung!!

  • Frau Heß, was die Professoren um Prof. Hankel zum Euro vor 10 Jahren sagten, war kein Geschätz. Auf die Idee kommen Sie - wie die anderen Mitglieder dieser Journaille - aber leider nicht. Früher hätten Sie gut für die "Aktuelle Kamera" recherchieren können. Sie hätten mit Sicherheit einen Blechorden bekommen. Ganz verdient! Im Ernst!

  • Wieviel europäischer soll eigentlich Deutschland noch handeln - sich total vergessen?? Solidarität ist keine Einfahrtstrasse und die Politiker können leicht das Wort Solidarität benutzen, wenn es das Geld des einfachen Mannes und der einfachen Frau ist und die Klomentatura abgehebt lebt. Um es klar zu sagen, der Traum vom Weltgeld für die Hochfinanz mit Zwischenstation Euro ist erst einmal aus!

    Das Volk hat die Nase voll! Wir wollen kein ungedecktes Kreditgeld aus dem Nichts, das inflationiert wird und schwindet, sondern wieder Warengeld, gedeckt mit Gold und einem Waren- und Arbeitskorb, das das Volk wieder belohnt und umsorgt.

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