Kommentar
Washington ist gefragt und nicht Ben Bernanke

Eine Rezession in den USA wird immer wahrscheinlicher, weil die Angst vor einer Rezession das Geschäftsleben lähmt. Die Hauptschuldigen sitzen in Washington. Sie müssen jetzt handeln.
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New YorkNur vordergründig wirkt der US-Arbeitsmarktbericht für August wie ein „non-event“. Sicher, die Arbeitslosenquote verharrt bei 9,1 Prozent. Aber diese Zahl spielt wegen der Manipulationsanfälligkeit der Statistik ohnehin bestenfalls am Stammtisch eine Rolle. Viel entscheidender ist die Statistik über die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft. Und die sendet Rezessionssignale.

Im August wurde demnach nicht eine neue Stelle geschaffen, erwartet worden waren 75 000 frische Jobs. Zudem wurden die Statistiken für die vergangenen beiden Monate um insgesamt 58 000 Stellen nach unten revidiert. Mit anderen Worten: Der Arbeitsmarkt ist komplett eingefroren.

Bei der Suche nach den Schuldigen zeigen die US-Politiker gerne auf Europa. Ihre Argumentation: Die anhaltenden Eurokrise verunsichert die Wirtschaft so sehr, dass sie nicht mehr investiert. Das ist nicht ganz falsch und Europa bekleckert sich gerade beim Versuch, diese Probleme zu lösen nicht gerade mit Ruhm. Aber dieser leicht eingängige Populismus geht  am Kern der Sache vorbei. Sie machen es sich zu einfach.

Es waren die Parteien in Washington, die sich im Juli und Anfang August aus rein polittaktischen Kalkül erst in letzter Minute auf eine Anhebung des Schuldenlimits einigen wollten, damit die Kapitalmärkte in Aufruhr versetzen und die Herabstufung der Bonität der USA in Kauf nahmen.

Was das für die US-Wirtschaft bedeutet, weiß keiner genau. Aber genau deswegen tut auch keiner etwas: Die Konsumenten gehen nicht shoppen und die Firmen stellen nicht ein. Das wiederum führt dazu, dass die Angst vor einem Jobverlust oder vor langer Arbeitslosigkeit wächst und die Leute ihr Geld noch seltener in die Geschäfte tragen.

Natürlich bricht nun die Diskussion darum aus, ob die US-Regierung neue Konjunkturprogramme auflegen und ob und in welchem Maße die US-Notenbank Fed erneut zur Stützung der Wirtschaft eingreifen soll oder kann.

Diese Debatten werden an Fahrt gewinnen, wenn die Politik nach Labor Day am Dienstag aus der Sommerpause in der Provinz in die Hauptstadt zurückkehrt. Und dann wird sich zeigen, ob sie etwas ihren schweren Vergehen an der US-Wirtschaft im Juli und August gelernt haben. Und dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, was sie beschließen, sondern wie sie zu einem Kompromiss kommen. Was US-Notenbankchef Ben Bernanke tut oder nicht tut, ist dabei fast zweitrangig.

Wenn sich die Parteien weiter gegenseitig zerfleischen, statt an einem sinnvollen Kompromiss zwischen kurzfristigen Konjunkturhilfen und langfristigen Konsolidierungsanstrengungen zu finden, geht das letzte Bisschen Vertrauen der Märkte in die  Haushaltspolitik auch noch verloren. Was das bedeutet, konnte man 2008 an Lehman Brothers studieren und sieht man derzeit an Griechenland. Wenn die Märkte einmal glauben, dass ein Land oder eine Firma den Bach runtergeht, dann passiert das auch. Da sind die Märkte wie die US-Verbraucher: Wenn sie kein Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung haben, tragen sie ihr Geld anderswohin.

Leider stehen die Chancen nicht gut, dass die Politik in Washington aus den Fehlern des Sommers gelernt hat. Das zeigen zumindest die ersten Reaktionen der Opposition auf Vorschläge aus dem Weißen Haus. Der Ton erinnert fatal an das Gezänk aus dem Sommer.

Mit anderen Worten: Es ist wie vor dem Hurrikan Irene. Die Welt darf  die Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang nicht aufgeben, sollte aber schon mal Vorsorge für den Fall treffen, dass die USA tatsächlich in eine selbstverschuldete Rezession rutschen. Leider ist zu befürchten, dass an die Analogie zu dem Hurrikan an diesem Punkt endet, der am Ende nur noch ein – verhältnismäßig – laues Lüftchen war.

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  • der Vertrauensverlust in die Scheinwerte geht -ganz offensichtlich- noch nicht weit genug...

    ... Inflation -bei der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt- ist nur über einen Vertrauensverlust zu realisieren (Lohn-Preisspirale is nich);
    ... rein in die Sachwerte, Investitionen in reale Güter, Betongold, neue Anlagen: egal. Hauptsache, die Inflation frisst's nicht weg.

    ... und wenn die Entschuldung dank Inflation (self-fullfilling-prophecy) dann Realität wurde,
    dann geht die Party wieder weiter.

    Die einen können weiter schaffen, produzieren, exportieren;
    die anderen weiter konsumieren.

    Menschen ändern sich nicht über Nacht.
    Der spätzle-Schwob-mit-der Spuck-in-der-Gosch verkonsumiert sein Häuschen nicht;
    der fette Ami produziert nicht plötzlich weltmarktfähige High-Tech.

  • die USA sind zu Würmern mutiert
    keine Hoffnung
    Keine Träume
    Nur noch den Sozialstaat
    und dumme Kriege

    Wo ist ein Kennedy, die auf den Mond wollte ?
    Wehner von Braun, der sein Ing. war?
    wo sind die höchsten Hochhäuser der Welt?

    Verkommen in der Mittelmäßigkeit
    Der Mopp regiert

  • Ich sehe schon, Herr Benders, Sie sind genau so ratlos wie eigentlich alle. Was könnte die FED auch sonst machen, außer die Märkte weiter mit billigem Geld zu fluten - incl. des beendeten Qe2? Nichts, außer darauf zu achten die Nadel an die nächsten Blasen anzusetzen, bevor sie zu voluminös geworden sind.

    Und natürlich haben Sie recht mit ihrer Forderung, die Politik - also Washington, müsse jetzt handeln. Aber wie und womit? Billiges Geld alleine reicht nicht, die Wirtschaft anzukurbeln. Wenn die Konsumenten sich verweigern, hat der "Kaiser auch in den USA sein Recht verloren". Denn an die eigentlichen, die strukturellen Probleme wagt sich ja keiner heran. Wenn rund 40 Prozent der produzierenden Industrien (lt.Gutachten aus dem Jahre 2000) mit überalterten Maschinenparks arbeiten, können die nicht mehr wettbewerbsfähig sein und bleiben auf der Strecke. Diese Unternehmen werden die nächste Welle an Arbeitslosen auslösen - spätestens dann, wenn das Kapital durch die FED wieder verteuert wird und zu bearbeitende Rohprodukte damit unbezahlbar werden. Ein Unternehmen nach dem anderen wird die Tore schließen - und neue, gleichwertige Arbeitsplätze sind nicht in Sicht. Die hat man vorausschauender Weise nach China, Indien, Indonesien usw. exportiert, Ware darf ja nichts - oder kaum mehr etwas, kosten.

    Da helfen auch die neuen, von Europäern und Japanern gebauten Autofabriken nicht mehr. Die sind so modern, daß sie in der Regel durch Automaten arbeiten, die nur noch von wenigem Personal gesteuert werden. Und Google und Co. benötigen im Verhältnis zu ihrer Kapitalisierung kaum Personal. Innovationen kommen auch mehr und mehr aus "Old Europe" oder Fern-Ost - ich sehe da keinen Silberstreif am Horizont.

    Wenn die Politik diese Probleme in ihrer Gesamtheit vernachlässigt, wird nicht nur das Land weiter abrutschen. Die Gefahr, daß dabei auch die gesellchaftlichen Strukturen auseinander brechen, war meiner Meinung nach noch nie so groß wie in den kommenden Jahren.

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