Kommentar: Zwei-Klassen-Gesellschaft

Kommentar
Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die EU-Kommission schraubt ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone herunter, doch der Ifo-Index für Deutschland legt kräftig zu. Dies zeigt die Spaltung in der Eurozone. Deutschland zieht den anderen Ländern davon.
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DüsseldorfDie Kluft zwischen den Konjunkturprognosen für Deutschland und für Südeuropa wird immer tiefer. Das zeigt sich heute an den aktualisierten Vorhersagen der EU-Kommission für 2012 und auch am Ifo-Index. Während die deutsche Wirtschaft scheinbar unaufhaltsam in den nächsten Aufschwung marschiert, wird die Lage in den Krisenländern der Euro-Zone immer bedenklicher. Auch die Kommission geht nun davon aus, dass Deutschland um eine technische Rezession herumkommt - sprich, dass dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal 2011 kein zweiter Rückgang im ersten Quartal 2012 folgt. Dafür sieht sie aber die griechische Wirtschaft noch einmal um 4,4 Prozent schrumpfen und die portugiesische um 3,3 Prozent.

Besonders gravierend ist die Abwärtskorrektur für Italien: Hier sieht die Kommission nun statt eines Wachstums von 0,1 Prozent für das laufende Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent. Das ist besorgniserregend und wird der Regierung Mario Monti die Konsolidierung des Haushaltes erschweren. Ob der Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise tatsächlich überschritten ist, wissen wir erst, wenn die Rezession in Südeuropa überstanden ist.

Die deutsche Wirtschaft hingegen beweist, dass sie die Wachstumsschwäche in der Euro-Zone, die nach Einschätzung der Kommission insgesamt durch eine Rezession geht, kompensieren kann. Das Geschäft mit den Schwellenländern läuft nach wie vor gut, die US-Wirtschaft belebt sich und auch der Absatzmarkt Nummer eins, Frankreich, hält sich einigermaßen. Der Ifo-Index ist nun schon zum vierten Mal in Folge gestiegen - die Trendwende ist nicht zu bestreiten. Nicht nur haben sich die Erwartungen der rund 7000 befragten Unternehmen im Februar weiter aufgehellt, erstmals seit Juni 2011 haben die Unternehmen auch die aktuelle Lage wieder positiver eingeschätzt als im Vormonat.

Der Aufschwung für Deutschland ist also in Sicht - und die Rahmenbedingungen sind weiterhin gut. In der kommenden Woche wird die Europäische Zentralbank ein weiteres Mal die Märkte mit billigem Geld mit drei Jahren Laufzeit fluten. Die Leitzinsen wird sie wegen der Anpassungsrezession im Süden Europas noch längere Zeit niedrig halten oder sogar noch einmal senken. Die Geldpolitik füttert damit auch die Expansion in Deutschland.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Das Ifo-Institut sieht bekanntlich die Inlandsnachfrage derzeit als wichtige Komponente an. Die Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen jedoch auch eine solide Exporttätigkeit speziell in Drittländer: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2012/02/PD12__044__51,templateId=renderPrint.psml

    Berücksichtigt man zusätzlich die deutschen Lohnkosten, die trotz gedämpften Zuwachses in den letzten Jahren immer noch abolut und in Relation zu anderen Industrieländern hoch liegen, so kann man sagen, das Ausland kauft bei uns gern ein, obwohl wir teuer sind (und nicht, weil wir Preisdumping betreiben, wie das manche Neider gern propagieren wollen).

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