Konjunktur
Abschwung lässt Japans Exporte schrumpfen

Die japanischen Ausfuhren sind im Oktober um 3,7 Prozent gesunken. Die Aussichten bleiben auch wegen den Überschwemmungen in Thailand gedämpft. Experten rechnen mit einem Eingreifen der Notenbank.
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TokioDer starke Yen und die nachlassende Weltkonjunktur setzen der japanischen Wirtschaft zu. Ihre Exporte fielen im Oktober überraschend um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Finanzministerium am Montag in Tokio mitteilte. Das war der stärkste Rückgang seit fünf Monaten. Analysten hatten lediglich ein Minus von 0,3 Prozent erwartet. „Dahinter stecken der von Europas Schuldenkrise ausgehende weltweite Abschwung, die schleppende Nachfrage nach Informationstechnologien und die Aufwertung des Yen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Auch die Aussichten sind nicht gerade rosig. Wegen der Überschwemmungen in Thailand beklagt die japanische Industrie den Ausfall wichtiger Zulieferungen. „Die Ausfuhren dürften in den kommenden Monaten weiter sinken“, befürchtet der Chefvolkswirt des Norinchukin-Instituts, Takeshi Minami.

Damit droht die gerade erst in Gang gekommene Erholung nach dem Jahrhundert-Erdbeben im März schon wieder ins Stocken zu geraten. Im dritten Quartal war die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt dank der Aufholeffekte um 1,5 Prozent gewachsen - dreimal so schnell wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt.

Experten gehen deshalb davon aus, dass die Notenbank abermals zur Stützung der Konjunktur eingreift. „Es besteht die Möglichkeit, dass die Bank of Japan weitere Schritte unternimmt“, sagte Minami. „Es ist noch keine echte Krisensituation, aber die Folgen der Schuldenkrise in Europa greifen schrittweise auf andere Wirtschaftsregionen über.“ Wegen der Schuldenkrise ziehen viele Investoren Geld aus Europa ab und legen es in Japan wieder an, weshalb der Yen auf ein Rekordhoch im Vergleich zum Dollar gestiegen war. Das macht japanische Exporte teurer. Die Notenbank hatte deshalb am Devisenmarkt interveniert und Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit gekauft.

Die Ausfuhren nach China - Japans wichtigstem Handelspartner - brachen im Oktober um 7,7 Prozent ein. Die Exporte in die USA gingen um 2,3 Prozent zurück. In Richtung Europa betrug das Minus 2,9 Prozent. Dagegen legten die Importe nach Japan um 17,9 Prozent zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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