Konjunktur
Abwrackprämie bremst Industrieflaute

Kleiner Silberstreif am Horizont: Der Rückgang der Auftragseingänge in der deutschen Industrie hat sich nach dem krisenbedingten Einbruch zum Jahreswechsel im Februar etwas abgeschwächt. Ein wichtiger Grund: die Abwrackprämie.

HB BERLIN. Begünstigt von der Abwrackprämie für Autos hat sich der Rückgang der Auftragseingänge in der deutschen Industrie nach dem Einbruch zum Jahreswechsel im Februar etwas abgeschwächt. Preis- und saisonbereinigt sei der Auftragseingang um 3,5 Prozent zum Vormonat gesunken, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Ökonomen hatten einen geringeren Rückgang von 1,3 Prozent erwartet. Allerdings wurde der Vormonatswert von minus 8,0 Prozent auf minus 6,7 nach oben revidiert. Im Jahresvergleich sieht die Lage allerdings weiter sehr düster aus: Verglichen mit dem Vorjahr brachen die Aufträge im Februar um 38,2 Prozent ein, nach einem Minus von 36,8 Prozent im Vormonat.

"Es war nicht allein die Umweltprämie für Personenkraftwagen, die den Rückgang der Ordertätigkeit dämpfte", kommentierte das Ministerium die Zahlen. In einzelnen Bereichen wie bei den Herstellern von Kraftwagen und Kraftwagenteilen aber auch bei den Auftragseingängen der Investitionsgüterproduzenten aus der Eurozone sowie den Auftragseingängen aus der Nicht-Eurozone habe es sogar leichte Zuwächse gegeben.

"Die Auftragslage in der deutschen Wirtschaft bleibt finster", kommentierte die der NordLB in einer Studie die Zahlen. Mit einem Auftragsrückgang um annähernd 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr befinde sich die hiesige Konjunktur bis zum Hals in der Rezession. "Und auch wenn die Nacht bekanntlich kurz vor Sonnenaufgang am dunkelsten ist, sehen wir derzeit keine Anzeichen einer schnellen Erholung", heißt es in der Studie. Dies dürfte auch die Industrieproduktion und der deutsche Arbeitsmarkt weiter schmerzhaft zu spüren bekommen.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Commerzbank. Auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im ersten Quartal noch einmal deutlich stärker geschrumpft sein als im Schlussquartal 2008, heißt es in einer Studie des Bankhauses. Trotz Abwrackprämie halte die Talfahrt bei den Auftragseingängen an. Die Wirtschaft dürfte im ersten Quartal um 3,5 Prozent schrumpfen, nach einem Rückgang um 2,1 Prozent im vierten Quartal 2008. Auch für das zweite Quartal sei mit einem deutlichen Rückgang der Produktion zu rechnen, auch das BIP dürfte weiter fallen. Dies seien genug schlechte Nachrichten für die Europäische Zentralbank (EZB), um den Leitzins noch einmal um 0,25 Punkte zu senken und über weitergehende Maßnahmen nachzudenken.

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