Konjunktur
Arbeitslosenzahl sinkt erstmals unter drei Millionen

Die deutsche Wirtschaft brummt: Erstmals seit 1992 sind saisonbereinigt nur noch weniger als drei Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Für 2011 erwarten Konjunkturforscher nun sogar ein Rekordwachstum von drei Prozent.
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Nürnberg/BerlinDie Frühjahrsbelebung und der stabile Wirtschaftsaufschwung haben im April zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl geführt. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren 3,078 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Das waren 132.000 weniger als im Vormonat und 321.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent - ein Jahr zuvor betrug sie noch 8,1 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl um 37.000 auf 2,970 Millionen zurück. Die saisonbereinigte Zahl lag damit erstmals seit Juni 1992 unter drei Millionen. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang um 30.000 gerechnet.

„Das ist eine recht starke Zahl vom deutschen Arbeitsmarkt. Die gute Entwicklung geht sicherlich im laufenden Jahr weiter, und auch für das kommende Jahr rechnen wir mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit“, sagte Volkswirt Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte: "Mit dem konjunkturellen Aufschwung hat sich auch die stabile, positive Arbeitsmarktentwicklung fortgesetzt." Norbert Braems, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim sieht die weitere Konjunkturentwicklung optimistisch: "Deutschland ist in Europa die stärkste Konjunkturlok, andere Länder werden davon profitieren." Auch Andreas Scheuerle von der Deka-Bank schätzt die Lage positiv ein: "Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Das sind ganz hervorragende Zahlen. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir weiter mit einer positiven Entwicklung, die guten Nachrichten dürften so schnell nicht abreißen."

Allerdings war der Frühjahrsrückgang in diesem April schwächer als im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür ist, dass die Osterfeiertage nach dem Stichtag lagen und viele Firmen neue Mitarbeiter erst nach den Ferien einstellen. Unbereinigt erhöhte sich die Erwerbstätigkeit mit der beginnenden Frühjahrsbelebung um 141 000 auf 40,51 Millionen - ein Plus von 554 000 binnen Jahresfrist. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Februar bei 27,93 Millionen, das ist ein Zuwachs von knapp 700 000 im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen um 457 000, die der Teilzeitstellen um 239 000 zu.  Derweil ging die Kurzarbeit weiter zurück. Nach den jüngsten Daten bezogen im Februar 151 000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Das waren 14 000 weniger als im Vormonat und 678 000 weniger als vor einem Jahr.  

Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt geht Hand in Hand mit einem anhaltenden Aufschwung der deutschen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2011 um 0,9 Prozent zu, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem Konjunkturbarometer am Donnerstag in Berlin berechnete. Im zweiten Quartal erwartet das DIW ebenfalls einen kräftigen Anstieg um 0,6 Prozent. Die Werte sind preis- und saisonbereinigt. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr würde dies ein Wachstum von starken 3,0 Prozent bedeuten.

Im ersten Quartal habe der Bau aufgrund des günstigen Wetters "ungewöhnlich kräftig" zugelegt, sagte DIW-Konjunkturexperte Vladimir Kuzin. Auch im zweiten Quartal dürfte die Industrie ordentlich wachsen. "Angesichts der guten Auftragslage stehen für die deutsche Konjunktur die Signale auf Grün", sagte Kuzin weiter.

Risiken berge das weltwirtschaftliche Umfeld. Die stark gestiegenen Ölpreise dürften das globale Wachstum etwas dämpfen. "Vor allem aber werden die Finanzmärkte wieder nervöser", erklärte Ferdinand Fichtner, Leiter Konjunkturpolitik am DIW. Die Schuldenkrise einiger Euroländer, die Katastrophen in Japan und die dramatische Situation der US-Staatsfinanzen beunruhigten. "Verschärfen sich die Probleme, könnte auch die Realwirtschaft wieder in Bedrängnis kommen", sagte Fichtner.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • @ gamover

    7.346.165 Arbeitslose sind in Ihrer Quelle genannt. Aber damit kann man nicht mehr das leyenssche Lächeln aufsetzten.

    http://www.meinpolitikblog.de/2011/04/28/analyse-die-tatschlichen-arbeitsmarktzahlen-april-2011/

  • Die Spindoctors der Politsekte finden bestimmt noch eine Möglichkeit, die Arbeitslosenquote "saisonbereinigt" auf unter Null zu drücken. Der Fachkräftemangel läßt ja schon mal grüßen. Leider ist der Fachkräftemangel in der Regierung und im politisch-industriellen Komplex besonders besorgniserregend. In den "Volks"parteien kommen ja leider keine Fachleute mit epochalen Ideen nach oben, sondern nur glattgeleckte Yuppies ohne Rückgrat und Ehre im Leib. Schade daß die staatlich lizenzierten Medien nicht die Wahrheit drucken dürfen....

  • @ Anonymer Benutzer: Realist

    "Jeder der auch will, also vollen Einsatz zeigt, der kann arbeiten. Ausreden gibt es keine."

    Das ist völliger Unsinn und das wissen sie auch!
    Im vergangenen Jahr hat man insgesamt 1,25 MILLIARDEN Überstunden geleistet, davon alleine im Dezember 2010 500 Millionen Stunden. Rechnen wir einfach mal einen Arbeitsplatz mit 180 Stunden Monatlich, könnten wir demnach 463.000 Arbeitnehmer in Vollzeit einstellen lassen!
    Ihre Aussage ist hingegen die Aussage einer derjenigen, die vermutlich auf Ihrem Arbeitsplatz fest gewachsen sind - möglicherweise sogar im Beamtenverhältnis.
    Man sollte sich immer schön mit denen unterhalten, die Tag für Tag um ihren Arbeitsplatz bangen und durch 400,- € Kräfte oder sogar wie in Schulen - wo der Hausmeister gekündigt wird - durch 1,- € Jobber ersetzt werden. Das alles sind Tatsachen, die immer gerne verschwiegen werden.

    "Anstatt man sich permanent aufregt, sollte man erstmal darüber nachdenken was geschaffen wurde. Die Politik in den letzten Jahren hat gerade in der Frage der Arbeitspolitik gute Arbeit geleistet."

    Die Politik hat was gemacht - gute Arbeit geleistet?
    Für wen denn wohl, sicher nicht für die Arbeitnehmer!
    Ihnen scheint einiges in der Realität entgangen zu sein, mir ist jedenfalls noch nie so ein Unfug unter gekommen, der jeder Grundlage entbehrt.

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