Konjunktur-Ausblick
Warum sich Osteuropa neu erfinden muss

Der Osten glänzt alarmierend Rot. Die Staaten stecken in einer tiefen Rezession. Dennoch sind Experten optimitisch, dass die gesamte Region gestärkt aus der Krise gehen kann. Das bedürfe allerdings der Fertigkeit und des Muts zu einer neuen Wirtschaftspolitik.

BERLIN. Selbst im zweiten Quartal, in dem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) weltweit in einigen Ländern wieder zulegte, ging die Wirtschaftsleistung in Lettland um knapp ein Prozent verglichen mit dem Vorquartal zurück, in Rumänien um 1,1 Prozent. Nur in Polen herrscht Hoffnung, nachdem das BIP um 0,5 Prozent zulegte.

Dennoch sind Experten optimitisch, dass die gesamte Region gestärkt aus der Krise gehen kann. "Die Rezession scheint in Osteuropa nur ein vorübergehendes Phänomen zu sein" und inzwischen abgeschüttelt zu werden, sagt Witold Orlowski, ökonomischer Chefberater der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in Warschau. Allerdings mahnte er bei der Vorlage seines Konjunkturberichts für Osteuropa, in dem er der Region "eine harte Landung" diagnostiziert, grundlegende Änderungen an: "Um die harten Zeiten hinter sich zu lassen, bedarf es der Fertigkeit und des Muts zu einer neuen Wirtschaftspolitik. Und ohne tiefgreifende Reformen zur Erhöhung von Investitionen und Konkurrenzfähigkeit geht es langfristig nicht", sagte er auf dem 19. Wirtschaftsforum im polnischen Krynica.

Osteuropa, so die PwC-Experten, müsse sein Geschäftsmodell neu erfinden. Das alte als verlängerte Werkbank des Westens, mit massiven ausländischen Investitionen und gewaltigen Re-Exporten, funktioniere nach der Krise so nicht mehr. Polen und Tschechien seien dafür am besten aufgestellt, vor der Slowakei und Slowenien. Am schlechtesten stünde es um die drei baltischen Staaten und vor allem die Ukraine. Doch nun stünde ein grundlegender Wandel bevor.

Dass die Konjunkturlokomotive schnell wieder anrollt, ist nach Ansicht von Simon Quijano-Evans, Osteuropa-Experte von Crédit Agricole Cheuvreux, umso wichtiger, weil es beim bisherigen Konjunkturabsturz in der Region "nicht um Ost gegen West geht, sondern um den Erhalt von Demokratie und den Zusammenhalt der EU". Vorrangige Aufgabe im jetzt zart keimenden Pflänzchen des Aufschwungs sei es laut Quijano-Evans, "von einem durch Regierungsprogramme angetriebenen Wiederaufschwung der Wirtschaft zu einem von Konsumenten getriebenen Aufschwung zu kommen".

Dabei sieht er vor allem Polen und Tschechien vorn. Polen überzeuge wegen der starken Binnenkonjunktur. Tschechien besteche, weil seine Einwohner kaum sogenannte Fremdwährungskredite aufgenommen hatten und deshalb beim Einbrechen der Landeswährung nicht so stark getroffen wurden durch explodierende Ratenzahlungen.

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