Konjunktur-Ausblick
Was die Früh-Indikatoren wert sind

Börsianer, Politiker, Unternehmer – sie alle warten stets gebannt auf richtungsweisende Signale der Ökonomen, Doch Prognosen sind eine schwierige Aufgabe – vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Heute ist das Ifo-Institut an der Reihe, es veröffentlicht neue Zahlen zur Stimmung in der Industrie. Ein erster Trend, wohin die Reise geht, ist jetzt schon erkennbar.

FRANKFURT. Rund 300 Analysten und gut 7000 Unternehmer dürfte dieses Bonmot wenig erheitern, wird ihnen doch Monat für Monat genau diese Übung abverlangt: Die Wirtschaftsforschungsinstitute ZEW und Ifo fragen nach ihren Erwartungen. Die Ergebnisse dieser Umfragen rechnen die Ökonomen in Indizes um. Diese steigen bei verbesserten Aussichten und sinken, wenn sich die Erwartungen verschlechtern.

Heute ist das Ifo-Institut an der Reihe, es veröffentlicht neue Zahlen zur Stimmung in der Industrie. In der vergangenen Woche gab es neue Daten von den Finanzmarktexperten. Börsianer, Politiker, Unternehmer – sie alle warten stets gebannt auf richtungsweisende Signale.

Haben die Indikatoren soviel Aufmerksamkeit verdient? Sagen sie die Entwicklung der Wirtschaft tatsächlich zuverlässig vorher? Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Ja, allerdings mit Einschränkungen. So drehte in der aktuellen Krise zum Beispiel der Ifo-Index schon vier Monate vor der Lehman-Pleite deutlich nach unten.

Wie gut Stimmungsindikatoren die realwirtschaftliche Entwicklung abbilden, prüfen Ökonomen gerne anhand der Industrieproduktion. Die reagiert nicht nur sensibel auf weltweite Konjunkturentwicklungen, weil die Industrie in Deutschland stark vom Ausland abhängt. Das verarbeitende Gewerbe ist auch ein guter Pulsmesser der deutschen Wirtschaft.

Die Qualität eines Barometer misst sich vor allem daran, wie frühzeitig und wie zuverlässig es konjunkturelle Wendepunkte zeigt.

Am schnellsten ist der ZEW-Index. Verlässliche Antworten auf die Frage, wann ein Abschwung endet, signalisierte er in der Vergangenheit früher als andere. Knapp sechs Monate vorab hat das Barometer seit 1992 die Tiefpunkte der Industrieproduktion gezeigt, hat die Commerzbank beobachtet. Läge er auch diesmal richtig, müsste die Talsohle inzwischen erreicht sein. Der ZEW-Index kletterte sieben Mal in Folge, zuvor war er auf ein Allzeittief gerutscht war.

Das Ifo-Geschäftsklima liefert in der Regel gute Signale für die Konjunktur-Entwicklung im kommenden Quartal. Es bildet es einen Mittelwert aus den Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate und der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage – und die verläuft nahezu parallel zur Industrieproduktion. Dafür entwickelt sich der Ifo-Index wie auch der Einkaufsmanagerindex des Informationsdienstleisters Markit weniger sprunghaft als der ZEW-Index und lässt bessere Rückschlüsse auf das Ausmaß des Auf und Ab zu.

Der Grund liegt auf der Hand: Während das ZEW Analysten befragt, die zu Übertreibungen neigen, sammelt Ifo Ansichten von Unternehmen der Industrie, dem Bauhauptgewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel und Markit von etwa tausend Unternehmen aus Industrie und Servicesektor. Sie befragen also die Wirtschaftslenker selbst, nicht nur deren Beobachter.

Wie solide die Unternehmensbefragung von Ifo ist, zeigte sich vor der letzten Mehrwertsteuererhöhung. Während die Analysten aufgrund der massiven Steueranhebung einen Konjunktureinbruch erwarten, blieben die Unternehmer gelassen, so spiegelte es der Index zumindest wider. Recht behielten am Ende die Unternehmen: Genauso wenig wie der Index stürzte die Konjunktur ein. Zudem liefern sie facettenreichere Ergebnisse, sortiert nach Branchen und Inhalten. „Dadurch ist die Ratio, die hinter den Entwicklungen steckt, erkennbar“, lobt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank.

Vorsicht ist dennoch bei allen Frühindikatoren geboten. Steigt einer einen Monat an, lässt sich daran keine Trendwende ablesen. Der Ifo-Index legt in 30 Prozent aller Fälle einen Monat zu, um kurz darauf wieder zu sinken, hat die Commerzbank herausgefunden. Um solchen Fehlsignalen nicht auf den Leim zu gehen, empfiehlt es sich, statt Monats- besser Durchschnittswerte zu betrachten. So lässt das Signal auf sich warten – ist aber verlässlicher.

Es kann allerdings auch vorkommen, dass sonst verlässliche Indikatoren monatelang in die falsche Richtung deuten. Im Frühjahr 2002 zum Beispiel signalisierte der Ifo-Index lange einen starken Aufschwung, tatsächlich aber folgte eine zähe Zeit der Stagnation. Jedes einzelne Konjunkturbarometer hat also seine Stärken und Schwächen. „Je mehr Indikatoren ein Ende der Talfahrt anzeigen, desto ernster lassen sich die Signale nehmen“, so der nüchterne Rat von Unicredit-Ökonom Andreas Rees.

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