Konjunktur
Ausland zieht deutsche Industrie mit

Licht am Ende des Tunnels: Ein starker Anstieg der Auftragseingänge hat die Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft und kräftige Zuwächse bei der Industrieproduktion genährt. Volkswirte sprechen von einem starken Comeback, die Commerzbank rechnet im zweiten Halbjahr 2009 schon wieder mit einem kräftigen Wachstum.
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FRANKFURT. Vor allem dank deutlich gestiegener Bestellungen aus dem Ausland verbuchte das verarbeitende Gewerbe, das als Taktgeber der deutschen Wirtschaft gilt, im Juni ein Auftragsplus von 4,5 Prozent verglichen mit dem Vormonat. Das ist der größte Anstieg seit zwei Jahren – und weit mehr, als Experten erwartet hatten. Bereits in den drei Vormonaten hatte die Industrie steigende Auftragseingänge verzeichnet.

Die Daten stärken den Aufwärtstrend, den in den vergangenen Wochen zahlreiche Indikatoren angekündigt hatten. Für das zweite Quartal rechnen viele Volkswirte zwar noch mit einem leichten Wachstumsrückgang. Im laufenden dritten Quartal werden sich die Orderzuwächse aber auswirken, erwarten die Experten und revidierten ihre Wachstumsprognosen für das zweite Halbjahr teilweise deutlich nach oben. So rechnet die Commerzbank im dritten und vierten Quartal mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um je 0,8 Prozent, Unicredit gar mit einem Zuwachs um ein Prozent im dritten und 0,7 Prozent im Schlussquartal.

„Nachdem die Unternehmen im Herbst vergangenen Jahres massiv verunsichert waren und Aufträge für Investitionsgüter und Vorprodukte hastig zurückgezogen haben, ist der Unsicherheitsschock inzwischen abgeklungen“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Die Unternehmen begännen, ihre leeren Läger aufzufüllen und einen Teil der unterlassenen Investitionen nachzuholen. „Die Nachfrage schnappt zurück und sollte für einen überschaubaren Zeitraum für starkes Wachstum sorgen.“

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr beispielsweise verbuchte im zweiten Quartal zwar noch einen Millionenverlust, zugleich aber auch ein Auftragsplus von 40 Prozent verglichen mit den beiden Vorquartalen. Dürr erwartet, dass das Volumen des Auftragseingangs den Umsatz im Jahr 2009 sogar überschreitet. Die Nachfrage kam im ersten Halbjahr aus den USA und Europa. „Wir stellen aber fest, dass verstärkt Anfragen aus den Emerging Markets kommen“, sagte ein Konzernsprecher.

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnete den Anstieg der Auftragseingänge als Hoffnungsschimmer. „Vor allem das anhaltende Plus bei den Bestellungen spricht dafür, dass die deutschen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion weiter steigern können“, so der Minister. Wie sich das produzierende Gewerbe im Juni entwickelt hat, gibt sein Haus am Freitag bekannt.

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