Konjunktur
Bank of England unterlässt weiteren Zinsschritt

Die britische Notenbank hat ihren Leitzins wie erwartet unverändert belassen. Die Bank von England sieht in der aktuellen Lage keinen Grund für eine Strategieänderung.

HB LONDON. Die begonnenen Aufkäufe von Staats- und Unternehmensanleihen würden fortgesetzt und binnen zwei Monaten abgeschlossen, teilte die britische Notenbank am Donnerstag in London nach einer Sitzung des geldpolitischen Komitees mit. Den Leitzins, der seit dem vergangenen Monat bei 0,5 Prozent liegt, tastete die BoE wie erwartet nicht an. „Das Komitee hat sich dafür ausgesprochen, das am 5. März beschlossene Programm zum Ankauf von Wertpapieren im Volumen von bis zu 75 Mrd. Pfund fortzusetzen. Da seit dem letzten Treffen (des Komitees) Papiere für rund 26 Mrd. Pfund gekauft wurden, wird es noch weitere zwei Monate dauern, bis das Programm abgeschlossen ist“, heißt es im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss.

Analysten zeigten sich kaum überrascht von der Entscheidung, obwohl es in den vergangenen Tagen Spekulationen gegeben hatte, dass die Notenbank ihr Ankaufprogramm ausweiten könnte. „Beide Entscheidungen hatten wir so auf dem Zettel“, sagte Amit Kara, Volkswirt bei der Schweizer Großbank UBS in London. „Wir rechnen damit, dass sie das 75-Milliarden-Programm beenden werden und dann wahrscheinlich auch die vollen 150 Mrd. in die Hand nehmen.“ Das Finanzministerium hatte der Notenbank einen Rahmen von maximal 150 Mrd. Pfund für geldpolitische Operationen zugebilligt.

Die BoE hatte vergangenen Monat mit dem Ankauf begonnen und hofft, auf diese Weise Finanzkrise und Rezession effektiver bekämpfen zu können - de facto hat sie dafür die Notenpresse angeworfen. Auch die US-Notenbank Fed und die Zentralbanken von Japan und der Schweiz haben angesichts extrem niedriger Zinsen mittlerweile einen geldpolitischen Schwenk vollzogen. Dieser wird im kommenden Monat auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet. Deren Chef, Jean-Claude Trichet schürte am Donnerstag erneut eine entsprechende Erwartungshaltung an den Finanzmärkten für die nächste Sitzung des EZB-Rats am 7. Mai.

Unter Experten nimmt unterdessen die Diskussion über den Erfolg der Strategie von Notenbankchef Ben Bernanke zu. Er hatte im März den Kauf von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Papieren gestartet, angesichts des hohen Refinanzierungsbedarfs des Staates steht den Käufen jedoch eine Vielzahl von Emissionen gegenüber. In der Folge sind die Renditen der Staatsanleihen, die zunächst wie von der Fed erhofft gesunken waren, mittlerweile wieder gestiegen. Die Fed hatte am Mittwoch im Protokoll der jüngsten geldpolitischen Sitzung erklärt, sie habe sich Mitte März wegen des sich verdüsternden Ausblicks für die Konjunktur zum Ankauf von Staatspapieren und zu einer Geldpolitik per Notenpresse entschieden.

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