Konjunktur
China brechen Exporte in Rekordtempo weg

Für Chinas Exportfirmen ist der Start ins neue Jahr gründlich missglückt. Im Januar gingen die Ausfuhren aus dem Reich der Mitte schon im dritten Monat in Folge zurück. Damit drohen weitere Fabrikschließungen und Entlassungen, was nach Ansicht von Analysten den Druck auf die Regierung in Peking erhöhen wird.

PEKING. Schon jetzt haben wegen der Wirtschaftskrise in China nach offiziellen Angaben 20 Mio. Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. Diese Zahl dürfte sich im Laufe des Jahres verdoppeln, da vor allem Chinas Exporteure von der weltweiten Nachfrageflaute stark betroffen sind.

Das belegt die jüngste Statistik. Nach den vorgelegten Zahlen hat die Volksrepublik im Januar 17,5 Prozent weniger exportiert als im Vorjahresmonat. Im November hatte das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat nur 2,2 Prozent betragen, im Dezember waren es 2,8 Prozent.

Auch die Importe schrumpfen rasant. Sie nahmen im Januar um 43,1 Prozent ab – doppelt soviel wie noch im Vormonat. „Die Zahlen sind einfach schrecklich“, stöhnte gestern Ökonom Ken Peng von Citigroup in Hongkong. Vor allem der Druck auf den Arbeitsmarkt werde „gewaltig“, er sehe keinerlei Erholung.

Dabei hatte Chinas Regierungschef Wen Jiabao erst Ende Januar auf seiner Europareise erklärt, Chinas heimische Konjunktur zeige erste Anzeichen der Besserung. Wen hatte zudem weitere Hilfsprogramme für die chinesische Konjunktur angekündigt, denn die Volksrepublik muss wegen der Flaute in der Exportwirtschaft erstmals eine Massenarbeitslosigkeit fürchten. Peking hatte bereits im Vovember ein Konjunkturprogramm von vier Billionen Yuan (453 Mrd. Euro) angekündigt, um die Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren. Das Geld soll vor allem in den Aufbau von Infrastruktur fließen.

Die Januarstatistik für den Außenhandel ist allerdings stark verzerrt. Sie fiel besonders schlecht aus, da durch die Feiertagswoche zum chinesischen Neujahrsfest nur drei Wochen lang produziert worden war. Zudem hatten viele Exportfirmen der betroffenen Massenhersteller in Südchina die Ferienwoche bereits früher begonnen und verlängert.

„Das bedeutet, dass die Zahl der Arbeitstage im Januar deutlich geringer als vor einem Jahr war, was den Jahresvergleich bedeutungslos macht“, hieß es bei Merrill Lynch in Hongkong. Erst die Daten von Januar und Februar zusammen könnten ein klareres Bild ergeben, so Merrill Lynch.

Auch Tao Wang, Analysten bei UBS in Peking, geht davon aus, dass ohne diesen Neujahrseffekt „der Rückgang bei den Ex- und Importen weniger dramatisch“ ausgefallen wäre.

Allerdings war der Einbruch insgesamt deutlich stärker aus als in den Prognosen vorhergesagt. Und der Gesamttrend zeige schon, so Analystin Wang, „dass das Schlimmste bei der ausländischen und inländischen Nachfrage lange nicht vorüber ist.“ Erwartet wird, dass weltweit die Nachfrage an Kleidung, Spielzeug und Elektronik aus China weiter abflauen wird.

So wurde der Importrückgang im Januar durch einen deutlich geringeren Bedarf an Komponenten und Rohstoffen angetrieben. Das dürfte negative Auswirkungen vor allem auf Länder in Asien haben, die als Zulieferer Chinas und als Abnehmer chinesischer Produkte die Folgen spüren dürften, so die Experten.

Im Rückgang der Importe spiegele sich bereits der Rückzug der Investitionen aus China wider, meint Jing Ulrich, China-Analystin bei JP Morgan in Hongkong. Zudem fehle es aber an der erhofften Konsumnachfrage nach Gütern in China.

So musste der Volkswagenkonzern gestern einen deutlichen Rückgang bei seinen Verkäufen in China melden. Der Pkw-Absatz ging nach VW-Angaben im Januar um 10,9 Prozent zurück. Nach Angaben von Morgan Stanley brachen die Verkäufe der in China produzierten Modelle Santana und Jetta – bislang Verkaufsschlager in China – um 43,7 Prozent bzw. 51,3 Prozent ein.

Die Frage in den kommenden Wochen sei nun, ob die von der chinesischen Regierung in die Wirtschaft gepumpten Milliarden „die Nachfrage erkennbar ankurbeln kann oder nicht“, meint Stephen Green, Volkswirt bei Standard Chartered in Schanghai. Die meisten Experten sind da eher skeptisch. In der ersten Jahreshälfte sei nicht mit einer Trendwende bei den Exporten oder bei Importen zu rechnen, meint Zhang Shiyuan, Analyast von Southwest Securities in Peking. „Bislang sehe ich keine soliden Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung.“

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