Konjunktur: China übt sich in Krisen-Optimismus

Konjunktur
China übt sich in Krisen-Optimismus

Die chinesische Notenbank rechnet nicht mit einem dramatischen Wachstumseinbruch in der Volksrepublik infolge der Finanzkrise. „Es ist ein moderater Rückgang“, sagte Notenbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan am Montag in Basel.

PEKING. Peking sieht die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt sogar schon auf dem Weg aus der Krise. „Unser Ziel ist es, das erste Land zu sein, das die Finanz- und Wirtschaftskrise überwinden wird“, so Regierungschef Wen.

Der Grund für den Optimismus in Peking: Die erst im November von Peking geschnürten Konjunkturhilfen von rund 460 Mrd. Euro zeigen nach Angaben der Regierung bereits Wirkung. Der Umsatz der Unternehmen steige wieder, so Wen, die Lagerbestände gingen langsam zurück und der Stromverbrauch - als Indikator für die Industrietätigkeit – lege zu. Zahlen nannte er allerdings nicht.

„Es ist ein moderater Rückgang“, sagte Notenbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan am Montag in Basel. „Wir werden aber sicher sehr wachsam bleiben, um einen scharfen Abschwung zu vermeiden.“ Verglichen mit anderen Ländern spüre China bislang nur eine leichte Konjunkturabkühlung. Es gebe zwar Risiken. Die Regierung halte aber an ihrem Wachstumsziel von acht Prozent für 2009 fest.

Für das zu Ende gegangene vierte Quartal erwartet China das schwächste Wachstum seit neun Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte nur noch um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sein, erwarten 28 von Reuters befragte Experten im Schnitt. Das wäre das kleinste Plus seit Ende 1999. Die offiziellen Zahlen werden nächste Woche erwartet.

Bis März will China weitere Konjunkturhilfen verkünden, versprach der Premier dafür am Wochenende bei einem Besuch in der Industrieprovinz Jiangsu. Allein 60 Mrd. Euro sollen in sechs große Technologieprojekte fließen. Sie gehören aber wohl zu Chinas Masterplan für die Forschung, der 2006 beschlossen wurde und der unter anderem bis 2020 die Entwicklung eines Passagierflugzeuges sowie die Mondlandung vorsieht.

Beobachter kritisieren erneut, dass sich Pekings Hilfspakete stets so schwer nachvollziehen oder gar nachrechnen lassen. Schon bei der Verkündung des Konjunkturprogramms Anfang November blieb undurchsichtig, welche Projekte dies beinhaltet und wie der Zeitplan aussieht.

Nach Angaben von Arthur Körber, Analyst bei der Beratungsfirma Dragonomics in Peking, ist letztlich nur rund ein Drittel des Programms wirklich neu. So wurde etwa der Aufbau für das Erdbebengebiet in Sichuan zu dem Konjunkturpaket gerechnet.

Doch Peking drückt auf das Tempo. Vergangene Woche wurden die Lizenzen für die neuen UMTS-Netze vergeben, da der Aufbau der neuen Telekomgeneration Milliardeninvestitionen bringen soll. Auch der Ausbau des Eisenbahnnetzes wird landesweit stark beschleunigt.

Chinas Konjunkturprogramm war weltweit auf Zustimmung gestoßen und hat global große Hoffnung geweckt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hatte erklärt, das Programm werde positive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sah Impulse für die deutschen Exporteure.

Premier Wen räumte am Wochenende allerdings auch ein, dass Pekings Pläne kaum genügen, die globale Krise zu bewältigen. „Die Auswirkungen sind nicht ausreichend, sie haben aber unser Vertrauen gestärkt”, erklärte der Premier, der immer wieder das Wort „Vertrauen“ benutzte.

„Ich glaube, hier soll vor allem gute Stimmung verbreitet werden“, kommentierte so auch ein ausländischer Beobachter in Peking die Berichte zur wirtschaftlichen Erholung. Denn die Führung in Peking fürchtet durch die Wirtschaftskrise soziale Unruhen im Land. Vor allem nach dem chinesischen Neujahrsfest Ende Januar wird sich die Lage verschärfen, wenn viele Fabriken nicht mehr öffnen sollten.

Und so bat Wen Jiabao am Wochenende vor allem um Vertrauen – in die Finanzmärkte, in den Konsum und natürlich in die Regierung. Dies können jedoch vor allem die Wirtschaftsdaten für den Monat Dezember schaffen, die Peking in den nächsten Tagen bekanntgeben will. Und so berichteten gestern schon mal die Staatsmedien, dass Chinas Banken im Dezember 740 Mrd Yuan an Krediten vergeben haben – das war 2008 die höchste Summe in einem Monat.

Die Kredinstitute würden dem Appell der Regierung folgen, die Wirtschaft mit Geld zu unterstützen, sieht dies Analystin Tao Wang von UBS in Peking als Erfolg. Andere Analysten sehen dagegen darin bereits neue Gefahren. Die Bankenaufsicht erklärte gestern, man sei bereit, im Kampf gegen die Krise auch mehr „faule“ Kredite in Kauf zu nehmen. Zu befürchten sei, dass die Chinas Banken erneut in großem Stil Kredite ohne Sicherheiten vergeben, warnt Liao Qiang, Analyst von Standard & Poor’s in Peking.

Doch China will schnell aus der Krise, daran ließ Regierungschef Wen in Jiangsu keinen Zweifel. In der ostchinesischen Küstenprovinz sind besonders viele Hersteller vom Exportrückgang betroffen. Und wegen der Exporteinbrüche geht die Weltbank für 2009 nur noch von einem Wirtschaftswachstum in China von 7,5 Prozent aus.

Die Ausfuhren sanken im November überraschend um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das war das größte Minus seit April 1999. Noch im Oktober war der Exportumsatz um 19 Prozent gewachsen. Experten befürchten, dass die Flaute rund 25 Mio. Jobs in der Exportbranche kosten könnte.

Der Verkauf von Autos und Nutzfahrzeugen auf dem größten asiatischen Markt im ganzen Jahr stieg denn auch nur noch um 6,7 Prozent. Im Dezember wurden sogar um knapp 8 Prozent weniger Personenwagen verkauft, wie die Vereinigung der Autohersteller (CAAM) am Montag in Peking berichtete. In vier der vergangenen fünf Monate war der Absatz zurückgegangen, während der Fahrzeugmarkt im Vorjahr noch um 21,8 Prozent zugelegt hatte.

Doch noch eine Meldung sickerte in Peking durch: Chinas Exporte sollen im Dezember gefallen sein, aber nur noch um 2,8 Prozent. Vielleicht ein Grund, warum Premier Wen in Jiangsu nur zufriedene Hersteller antraf. Und warum er - trotz globalem Krisengewitter - schon mal Chinas Weg aus der Krise antrat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%