Konjunktur
China-Wachstum überzeugt Anleger nicht

Das Wirtschaftswachstum in China hat nach offiziellen Angaben im dritten Quartal auf 8,9 Prozent zugelegt. Analysten bewerteten die Steigerung zwar als robust, sie ging ihnen aber nicht weit genug. Daher fehlten den Börsen in Fernost Impulse.
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HB PEKING. Trotz rückläufiger Exporte ist die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal kräftig gewachsen. Angetrieben von staatlichen und privaten Investitionen stieg das Bruttoinlandsprodukt um 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Nationale Statistikbüro am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal hatte das Plus lediglich 7,9 Prozent betragen. Trotz Finanzkrise sieht sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auf gutem Weg, 2009 ihr Wachstumsziel von acht Prozent zu erreichen. „Daran gibt es keinen Zweifel“, sagte der Sprecher des Statistikamtes, Li Xiaocho.

Grund für die Erholung ist die robuste Binnenkonjunktur, die den Rückgang der Exporte mehr als ausglich. Dank des staatlichen Konjunkturpaketes von rund 400 Mrd. Euro stiegen die Investitionen in den ersten neun Monaten um ein Drittel. Pumpte in der ersten Jahreshälfte vor allem der Staat viel Geld in die Wirtschaft, sind es jetzt zunehmend auch private Investoren. Niedrige Zinsen und die lockere Kreditvergabe der Banken sorgten für stark steigende Bauausgaben.

Auch der private Konsum kommt immer mehr in Schwung. Allein im September stieg der Umsatz im Einzelhandel um 15,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Industrieproduktion stieg mit zuletzt 13,9 Prozent ähnlich stark, was auf eine Belebung der Auslandsnachfrage hindeutet.

Experten rechnen auch in den nächsten Quartalen mit einer Rückkehr zu einem zweistelligen Wachstum. Im Schlussquartal sei ein Plus von elf Prozent und zu Jahresbeginn 2010 sogar von 13 Prozent, hieß es bei Nomura. „Die Erholung gewinnt an Dynamik“, sagte Nomura-Analyst Mingchun Sun.

Die Industrieproduktion stieg um 12,4 Prozent im dritten Quartal an. In den ersten neun Monaten lag das Wachstum in diesem Bereich bei 8,7 Prozent, wie das Statistikamt mitteilte. Die chinesische Regierung hatte ein Stimulierungspaket von vier Billionen Yuan (rund 390 Mrd Euro) zur Wirtschaftsförderung aufgelegt.

Die Meldung vom Wirtschaftswachstum in China enttäuschte die Börsen in Fernost. Analysten bewerteten die Steigerung zwar als robust, sie ging ihnen aber nicht weit genug. Daher fehlten dem Markt Impulse.

Dessen ungeachtet sollte China nach den Worten eines einflussreichen Bankenchefs dringend seine Geldpolitik straffen, um eine Blase an den Aktien- und Immobilienmärkten zu vermeiden. Die Geldpolitik dürfe die Entwicklungen bei den Anlage-Preisen nicht vernachlässigen, sagte Qin Xiao, Chairman der China Merchants Bank, der „Financial Times“. Es sei daher dringend notwendig, dass China von seiner lockeren Geldpolitik zu einer neutralen übergehe. Die Regierung sollte sich nach seinen Worten dabei nicht vor einer moderaten Verlangsamung der Konjunktur fürchten.

China hat mit einem Stimulierungsprogramm auf die Weltwirtschaftskrise reagiert, um den Binnenmarkt zu stärken. Am Mittwoch teilte die Regierung mit, die Wirtschaft habe sich in den ersten neuen Monaten besser entwickelt als erwartet. Die wirtschaftliche Erholung habe sich konsolidiert.

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