Konjunktur-Daten
Loch in Portugals Staatskasse immer größer

Portugal hat sein angepeiltes Defizitziel im ersten Halbjahr 2013 überschritten. Dabei wurde die Grenze zuvor erneut gelockert. Dem Land droht eine Neuauflage des Scheiterns von 2012.
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LissabonDas Staatsdefizit des Euro-Krisenlandes Portugal droht in diesem Jahr erneut über die mit den Geldgebern vereinbarte Grenze zu klettern. Wie die Statistikbehörde INE am Montag in Lissabon mitteilte, belief sich der Haushaltsfehlbetrag zum 30. Juni auf 5,7 Milliarden Euro. Das seien 7,1 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, hieß es. Damit liegt das Defizit 1,6 Punkte über dem für ganz 2013 angepeilten Wert von 5,5 Prozent.

In einer ersten Reaktion erklärte das Finanzministerium der Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, diese Zahlen bestätigten „die Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung“. Wie groß nun die Chancen eingeschätzt werden, das festgelegte Ziel bis Jahresende doch noch zu erreichen, wurde allerdings nicht gesagt.

Nachdem Portugal 2012 das angestrebte Defizitziel von 5,0 Prozent um 1,6 Punkte verpasst hatte, hatten die Geldgeber im März weichere Ziele für die Fehlbeträge der nächsten Jahre zugestanden. Für 2013 wurde ein Minus von 5,5 (statt 4,5) Prozent festgesetzt. Zugleich wurde die Frist zur Erreichung des von der EU erlaubten Defizits von höchstens drei Prozent um ein Jahr auf 2015 verschoben. Eine erste Lockerung der Ziele war bereits im September 2012 gewährt worden.

Erst vor drei Wochen hatte Lissabon die Möglichkeit einer weiteren Neuaushandlung der Defizitziele eingeräumt. Bei Kommunalwahlen wurde die Regierung am Sonntag für den strengen Sparkurs abgestraft.

Zur Abwendung eines drohenden Bankrotts hatte Portugal im April 2011 von EU und dem Internationalem Währungsfonds ein Hilfspaket von 78 Milliarden Euro erhalten. Im Gegenzug verpflichtete sich das ärmste Land Westeuropas zu einer strengen Sanierungspolitik. Portugal steuert bereits auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu. Die Arbeitslosenquote erreichte zuletzt Rekordniveau von rund 17 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Egal ob Portugal oder Griechenland, Ursache ist immer dasselbe Problem: die extrem geringe Arbeitsproduktivität bei vergleichsweise zu hoher Konsumneigung. Mit einer Arbeitsproduktivität laut OECD von ca. 15 €/Arbeitsstunde (Deutschland ca.39,50 €/Arbeitsstunde),kommen die Südländer nicht selbst aus dem Finanzloch.Immer wieder steht EURO-Hilfe aus dem Norden an. Wie in der Medizin: beim vereiderten Blinddarm hilft nur die Opereation,also nationalökonomisch der Wechselkursmechanismus, nicht aber eine jahrelange Massagepraxis wie mit den EURO-Rettungsschirmen.Nach jedem Staatsbankrott gehts wieder aufwärts, wie z.B. Argentinien beweist.Auch mit einer eigenen Währung bleibt Portugal in der EU, wie Polen und Tschechien auch.Nach der Sanierung und gestiegener Arbeitsproduktivität kann der EURO wieder zurückkommen. Auch praktische EU-Hilfen sollten möglich sein, aber nicht für die Staatsschulden. Der gute Europagedanke, wie Zoll- und Reisefreiheit, wird davon überhaupt nicht berührt.Falsche Solidarität verlängert nur die derzeitige schlimme Wirtschaftslage, nicht nur in Portugal, auch in anderen EURO-Südländern.


  • Rechner theoretische Ansätze reichen ohne tiefgehende Landeskenntnisse halt nicht aus, so geht es vielen Bankern mit Zahlenwerken. Kein Grund offen mit verächtlich-dummer Selbstgefälligkeit rumzuwedeln .

    Versenkt manipulierten EU-Datenmüll in dafür vorgesehene Tonnen, schaut diesen EU-Freunden da unten in die Augen und zählt mal deren sicheren Industriezweige/ Arbeitsplätze.
    Iberische Bankenbilanzen strotzen unverändert mit geschönten Titeln. Das alleine reicht schon zur weiteren Bewertung.

  • @Rechner

    Sie legen immer die selbe Schallplatte auf, Sie wissen es immer besser als alle Ökonomen und Ökologen. Wenn man nun eine andere Meinung hat als Sie dann gehen Sie immer wie folgt vor !!

    Na, das mache ich jetzt mnal auch !! :-)

    Rechner sagt

    "Portugal muß vor allem seine kriminellen Verfassungsrichter absetzen und bestrafen, die die Konsolidierung verhindern.

    Hierzu:
    Portugal muss gar nichts, in Portugal regiert eine demokratisch gewählte Partei und das Verfassunsggericht rifft nicht Entscheidungen, die von Brüssel vorgegeben werden, sondern trifft Entscheidungen nach portugisischem Recht ! Und auch nicht Entscheidungen nach den Wünschen Rechners !!

    Portugal muss gar nichts !!

    Und auch ihre Wünsche und Vorstellungen, Griechenland müsste, Griechenland könnte, Italien könnte alleine - sind nur Hirnghespinste ihrer Fantasie !!

    Die Realität lehrt etwas anderes !!

    So argumentieren Sie doch immer selbst !!

    Also - warum muss Portugal ??

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