Deutsche Industrie
Schlechter Start in die zweite Jahreshälfte

Die Auftragslage für die deutsche Industrie hat sich im Juli überraschend verschlechtert. Während die Euro-Partner mehr bestellten, nahm die Nachfrage von außerhalb Europas deutlich ab.

Die deutsche Industrie startet wegen der schrumpfenden Nachfrage aus dem Ausland überraschend schlecht ins zweite Halbjahr. Die Aufträge schrumpften im Ferienmonat Juli um 1,4 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Das ist das größte Minus seit einem halben Jahr. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang von 0,6 Prozent erwartet, nachdem es im Juni noch ein Plus von 1,8 Prozent gegeben hatte. „Trotz des aktuellen Rückgangs bleiben die Auftragseingänge in der Tendenz deutlich aufwärtsgerichtet“, erklärte das Ministerium. „Insgesamt sprechen diese Daten für eine weiter leicht aufwärtsgerichtete Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe.“

Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen mit 5,2 Prozent so stark ab wie seit einem knappen Jahr nicht mehr. Grund dafür war die stark gesunkene Nachfrage aus den Ländern außerhalb der Euro-Zone, wozu beispielsweise das mit Börsenturbulenzen und einer schwächeren Konjunktur kämpfende China gehört: Die Bestellungen brachen um 9,5 Prozent ein, während die aus den Euro-Ländern um 2,2 Prozent zunahm. Die Aufträge aus dem Inland legten sogar um 4,1 Prozent zu. Die Bestellungen von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen nahm 1,6 Prozent ab, die von Konsumgütern gab um 6,3 Prozent nach. Die Nachfrage nach Vorleistungen wie Chemikalien fiel um 0,2 Prozent.

„Der Rückgang der Auftragseingänge im Juli ist enttäuschend“, sagte Ulrike Kastens, Konjunktur-Expertin bei Sal. Oppenheim. Ein Lichtblick stelle der Zuwachs bei den Investitionsgütern dar. Auch der Zuwachs in der Eurozone spreche für eine bessere Konjunktur in Europa.

Stefan Schilbe von der HSBC Trinkaus führt den Auftragsrückgang auf fehlende Wachstumstreiber für die Weltkonjunktur zurück. „Die USA stehen zwar gut da, aber viele Schwellenländer wie China, Brasilien und Russland sind unter Druck“, erklärte er. Auch in rohstoffabhängigen Ländern wie Kanada oder Australien laufe es nicht gut.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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