Banken unter Zugzwang

ZEW-Chef Wambach rechnet mit längerer Phase niedriger Zinsen

„Die Niedrigzinsen sind ein Problem, das sich langsam in die Wirtschaft reinfrisst“: ZEW-Chef Achim Wambach sorgt sich wegen der Geldschwemme der EZB. Ein Ende der Mini-Zinsen sieht er jedoch nicht.
Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, hält anhaltende Niedrigzinsen für wahrscheinlich. Quelle: dpa
Achim Wambach

Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, hält anhaltende Niedrigzinsen für wahrscheinlich.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Phase der ultraniedrigen Zinsen wird nach Einschätzung des ZEW-Präsidenten Achim Wambach voraussichtlich länger anhalten. Der Chef des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hält außerdem ein rasches Ende der großen Geldschwemme der Europäischen Zentralbank für unwahrscheinlich. „Das wird tendenziell länger laufen“, sagte der 48-jährige Ökonom am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Wambach, der das ZEW seit 1. April leitet und auch neuer Chef der Monopolkommission ist, sieht in diesem Umfeld Banken unter Zugzwang. „Die Unternehmen müssen darauf reagieren.“

Die Leitzinsen im Euro-Raum liegen seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Geldhäuser müssen zudem seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld parken. Zudem sorgt das große Anleihenkauf-Programm der Euro-Wächter dazu, dass an der Börse Bondrenditen stark gesunken sind. „Die Niedrigzinsen sind ein Problem, das sich langsam in die Wirtschaft reinfrisst“, sagte Wambach, der deshalb unter den Sparkassen Übernahmen und Fusionen erwartet. Größere Geldhäuser müssten in diesem Umfeld noch mehr Eigenkapital aufbauen. „Wir haben immer noch nicht die Eigenkapitalausstattung, die wir brauchen“, bemängelte Wambach.

Nach dem Brexit-Votum rechnet der ZEW-Chef mit einer Phase der „großen Unsicherheit“ an den Kapitalmärkten und in der Politik. Bislang hat die britische Regierung den EU-Austritt des Landes noch nicht offiziell beantragt. Wann die Verhandlungen mit der EU starten, ist völlig unklar. „Das beste wäre, wenn man die Verträge verhandelt, die es jetzt gibt“, sagte Wambach. Gerade die Briten profitierten von den freien Dienstleistungen. Die EU könne auf der anderen Seite nach dem Brexit-Votum nicht so weitermachen wie bisher. „Wir müssen mehr Entscheidungen in die Parlamente tragen.“ Das Verfahren zum CETA-Handelsabkommen mit Kanada, bei dem nun auch die nationalen Parlamente gefragt sind, sei ein erster Schritt.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
1 von 20

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
2 von 20

Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
3 von 20

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
4 von 20

Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
5 von 20

Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
6 von 20

Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
7 von 20

Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Banken unter Zugzwang - ZEW-Chef Wambach rechnet mit längerer Phase niedriger Zinsen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%