Konjunktur und deutsche Unternehmen
Die Dynamik lässt nach

Die deutsche Volkswirtschaft ist stabil. Auch wegen ihrer hohen Zahl an Unternehmen. Aber genau das könnte sich im kommenden Jahr ändern, warnen Experten in einer aktuellen Studie.

DüsseldorfDie Unternehmen investieren, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Auftragsbücher sind voll. Die deutsche Wirtschaft erweist sich einmal mehr als robust. Obwohl Deutschland nach einer neuen Studie im guten Mittelfeld landet, was das prognostizierte Wachstum für 2016 angeht, sehen die Experten auch Probleme.

Die Befragung ist Teil einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RSM, die „Handelsblatt Online“ exklusiv vorliegt. Für die Studie wurden 410 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und weitere Berufsträger sowie 291 Unternehmer aus mehreren Ländern befragt. Das Ergebnis: Die deutsche Volkswirtschaft läuft auf Hochtouren, die wirtschaftliche Dynamik ist im internationalen Ländervergleich jedoch weniger stark ausgeprägt.

Im globalen Vergleich liegen Spanien, England und die Niederlande in Punkto Wirtschaftswachstum weiter vorne. Die Bundesrepublik ist gemeinsam mit Australien und Frankreich im „stabilen“ Mittelfeld. Das Wachstum für Deutschland schätzen die Experten im kommenden Jahr auf 1,7 Prozent. Die große Nachfrage nach in Deutschland hergestellten Produkten sorgt nach wie vor für Aufträge und hohe Steuereinnahmen: „Mehr als ein Drittel der Wirtschaftsprüfer des RSM-Netzwerks hält die momentane Auftragssituation für die Unternehmen in Deutschland für relativ hoch“, sagt Warner B. J. Popkes, Chairman von RSM in Deutschland.
Das liege vor allem daran, dass die Reputation deutscher Unternehmen im Ausland besser sei als im Land selbst. Die Bewertung der Unternehmenskultur wird von deutschen Experten der Studie im Mittelfeld angesiedelt. Gründe dafür seien unter anderem der „schlechte“ bis „sehr schlechte“ Fachkräftemangel.

„Ein langfristiges Problem für den Standort Deutschland könnte entstehen, wenn die Zahl der Unternehmer sinkt. Es wäre ein Alarmsignal, denn das Geschäftsmodell Deutschland basiert auf einer breiten, mittelständischen Struktur”, sagt Popkes. So sehen lediglich sieben Prozent der Experten in Deutschland eine Zunahme der Zahl der Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern – während fast die Hälfte der Experten anderer Länder von einer Zunahme ausgehen. Deutschland wird aufgrund seiner hohen Reputation im Ausland also besser bewertet als aus der Sicht deutscher Experten.

Zu den Verlieren der aktuellen Studie gehört unter anderem Norwegen. Für eine steigende Zahl an Mineralölunternehmen und Ölförderern in Europa sind die niedrigen Ölpreise inzwischen ein existenzielles Problem.

Staaten wie Norwegen, deren Staatshaushalt zu einem erheblichen Anteil von Einnahmen mit Öl abhängt, leiden. Der schleichende Verfall des Ölpreises führt laut Einschätzung der Experten dazu, dass Norwegens Unternehmer mehr in ihr Personal investieren. Im Bereich Unternehmenskultur führt das Land unter allen Befragten das Ranking vor Ländern wie Holland, Großbritannien oder Australien an.

Verbessert hat sich die Situation seit der letzten Befragung vor allem für Frankreich und Spanien. Die Verlierer vom vergangenen Jahr zählen nun Jahr zu den Gewinnern. Ganz vorne mit dabei: Spanien mit der höchsten Wachstumsrate aller untersuchten Länder. Erst gar nicht in die Studie aufgenommen wurden Länder wie China und die GCC-Staaten (Golf Cooperation Council) Saudi Arabien, Kuwait, Oman, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Denn deren erwartete Wachstumsraten seien schlichtweg „außerhalb der Reichweite für die anderen Länder.“

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